… bussilla – mit dem Bus

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Oulu

Über Vokabeln, die man ein Leben lang nicht mehr vergisst.

Warum Lehrgeld manchmal Kilometergeld ist und

nette Über-raschungs-momente.

Busfahren in Finnland

Episode 1: 

Warte auf den Bus in die Stadt, ins Zentrum von Oulu. Buslinie Nummer 8. Damit ich auch wieder nach Hause finde, schreibe ich mir die Bushaltestelle auf. Das Wort, das oben groß an der Haltestelle steht. Sicher ist sicher. Prima. Kann nichts mehr schiefgehen. 
Am Abend warte ich im Zentrum auf den Bus Nummer 8.  Frag den Fahrer sicherheitshalber, ob er auch diese Haltestelle anfährt. Nein, da sei ich falsch. Aber es ist doch Bus Nr. 8? Schon, aber trotzdem sei ich falsch. Ich frage noch mal. Vielleicht habe ich es nur falsch ausgesprochen. Nein – sicher nicht. 
Ich muss wieder aussteigen. Gibt es hier mehrere Buslinien Nr. 8?


Ich warte auf den nächsten Bus und frage auf gut Glück. Nein. Auch hier: Fehlanzeige. Der Fahrer schüttelt den Kopf. Nein – falsch – sicher nicht. Wo ich denn hinwolle. Ich sage ihm die Adresse. Nein, habe er noch nie gehört. Langsam habe ich das Gefühl, ich bin auf einem anderen Planeten. 
Schließlich laufe ich heim. Ungefähr 4 km. Den ganzen Weg über frage ich mich: was war jetzt schief gelaufen? 

Ich erzähle meinem Onkel am nächsten Tag von meinem Erlebnis. Er lacht. „Pikavuoro“ hatte ich mir notiert. Das heißt Schnellverbindung/Fernbusse. Die Haltestelle heißt Hintta! 


Episode 2:

Vom Busbahnhof fährt ein Bus auf die vorgelagerte Insel Hailuoto. Dauert ca 1,5 Stunden inklusive Überfahrt mit der Fähre. Vier Fahrgäste sitzen nur im großen Reisebus, der dreimal täglich die Insel ansteuert.
Plötzlich fahren wir eine Tankstelle an. Wird gleichzeitig die Haltestelle sein, denk ich mir. Doch weit gefehlt. Der Busfahrer steigt aus und tankt. Hab ich auch noch nicht erlebt.


Wenige Meter weiter hält er am Supermarkt. Na, das wird wohl eine Haltestelle sein. Nein. Der Busfahrer steigt aus und beginnt, große Kisten mit frischen Gemüse auszuladen.
Ah, ok. Ist also nicht nur Bus, sondern auch Lieferant. 
Kurze Zeit später: der nächste Supermarkt. Mich wundert nichts mehr.
Danach gehts weiter auf der fast schnurgerade Landstraße über die Insel. Nächster Halt. Diesmal im scheinbaren Nirgendwo. Ich bin gespannt. Der Busfahrer kramt in seiner Tasche und steigt mit einem Umschlag aus. Alles klar?

Busfahrer, Lieferant und Postbote in einem. Praktisch! Das geht noch ein paar mal so, bis wir mit 40 Minuten Verspätung, aber sehr effektiven 40 Minuten Verspätung und dem Vorsatz, meine Erwartungshaltung ändern zu wollen, am Ende der Insel ankommen.

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Episode 3:

Busfahrerwechsel. Mitten auf der Strecke. Vor dem Aussteigen verabschiedet sich der Busfahrer bei den Fahrgästen, winkt und ruft laut ‚kiitoksia!‘ (Dankeschön). Sein Nachfolger steigt ein, lächelt, nickt den Fahrgästen zu und sagt ‚Päivä!‘ (Tag). Noch nie zuvor erlebt.

Episode 4:

Andere Bushaltestelle. Versuche herauszufinden, welche Busse hier wegfahren und wann.
Doch hier gibts keine Tafeln, keine Anzeigen, keine Abfahrtstabelle, keine Karte. Gar nichts. Das einzige, was ich finde, ist ein QR Code. Tja. Ohne Internet ist man hier aufgeschmissen.

Episode 5:

Es gibt auch nette Zeitgenossen. Kleben für die anderen ein Fahrplanheft an die Bushaltestelle…

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Bushaltestelle in Oulu beim Rathaus

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2 Kommentare zu … bussilla – mit dem Bus

  1. Kai Damm sagt:

    Hab ein breites Schmunzeln im Gesicht – köstlich ! 😀

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