Die spinnen… Teil 1

Als ich das erste Bugs-Bunny-Häschen auf der Straße sehe, ist mein erster Gedanke: Fasching. Mein zweiter: ein Blick aufs Datum – Fasching ist längst vorbei.

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Die spinnen die Finnen.

Warum also laufen Hasen, Teufel, Ritter, Püppchen, Panzerknacker, Prinzessinnen, Monster und Aliens durch Tampere? Was zum Himmel hat das zu bedeuten?

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Mich wundert vor allem, dass alle anderen Passanten so tun, als sei nichts. Als sei das ganz normal. Ist da ein spezielles Fest in Tampere? Feiern die Studenten vielleicht ein besonderes Event? Und nur ich check es nicht?

Ich frage nach. Frage den Erstbesten, der mir über den Weg läuft. Nein, er wisse das auch nicht, sagt er ganz ernst und ist mehr über meine Frage verwundert als über all diese verkleideten Menschen.

Seltsames Land. Bei der nächsten Gelegenheit frage ich wieder. Das könnte ein großes Rollenspiel sein, zu dem man sich im Internet verabredet hat. Aber genau wisse man das auch nicht. Achselzucken.

Also jetzt will ichs wissen. Ich laufe weiter durch die Stadt und treffe auf eine Ansammlung schräger Gestalten in einem Park. Die einen duellieren sich mit langen Stöcken. Die anderen machen wilde Verrenkungen, wieder andere sitzen einfach auf dem Rasen. Und einige sind in ihr Handy (finnisch: kännykkä oder matkapuhelin= Reisetelefon) vertieft. Sieht aus wie ein großes Happening.

Eines dieser herausgeputzten Püppchen mit Perücke, Porzellangesicht und schwarz gemalten Augen spreche ich an. „Das ist ein Konvent der Mangas und Anime. Wir leben die Figuren, die wir darstellen.“

So ist das also!

„Im Jahr 2009 haben sich Manga und Anime (japanischer Zeichentrickfilm) so schnell in die westliche Populärkultur integriert, dass wir praktisch unfähig sind, unsere Helden und Schurken von den traditionellen japanischen Archetypen zu unterscheiden. Deshalb ist es notwendig, daran zu erinnern, dass wir ohne die japanische Kulturinvasion keine Riesenroboter hätten, die von hoch begabten, aber emotional zurückgebliebenen Kindern gesteuert werden, keine radioaktiven Riesenmonster, die süchtig danach sind, auf die Wolkenkratzer von Tokio einzuschlagen, wir hätten keine Jungendlichen mit Pferdeschwänzen, die sich freiwillig in mystische, mit ultra-kitschigen Kräften ausgestattete Kriegerinnen verwandeln, keine erwachsenen Wissenschaftler, die die Höschen der Nachbarin klauen, und es gäbe keine grellfarbig gekleideten Helden-Gangs, die versuchen, den Bösewicht vom Dienst durch ausgesprochen lächerliche Posen zu vernichten. Gibt es etwas „Cooleres“ als das?“

Es gibt wohl nichts Cooleres. Nicht an diesem Wochenende, in Tampere.


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3 Kommentare zu Die spinnen… Teil 1

  1. Der Baier sagt:

    Geil ist ja vor allem die Sensenfrau inkl. dem ADAC-Bär danneben.

  2. jürgen sagt:

    … oder sind wir schon zu alt um dies zu verstehen?
    … ist das an uns vorbeigegangen?

  3. Rüdi sagt:

    Sehr sympathisch, dieses Finnen-Spinnen!

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