Sauna Feelings in Finnland

Bei Markku, meinem Onkel, in der Sauna Finnland: die Hitze dringt in alle Poren, es durchwärmt mich schön nach einem windigen Nachmittag im Stadtzentrum. Jeder Blick befördert meine Erinnerungen, nichts scheint fremd, im Gegenteil: lange und alt bekannt. Als wäre es nie weg gewesen.

Sauna in Finnland

Es riecht nach Holz, Wärme, Birkenzweige, Löyly, handbeschriftete Handtuckhaken, Holzlöffel zum Schöpfen von Wasser, barfuß auf knarzenden Holzböden und  handgewebten bunten Streifenteppichen. Zu Hören ist nur noch das Knacken des Ofen und das Zischen und Fauchen der Steine, wenn das Wasser auf ihnen verdampft.

Sauna Finnland (Copyright: Tarja Prüss) Die Gedanken kommen zur Ruhe, der Kopf hat Pause. Angenehme Leere breitet sich gemächlich aus, genauso wie die Wärme auf meiner Haut. Stille. Innehalten. Abschalten. Die Zeit wechselt in einen anderen Rhythmus.
Flashback:
Und ich springe von der obersten Bank runter auf die unterste, das Wasser verdampft laut zischend in weißen Wolken auf dem Ofen, Hitze breitet sich aus, leise unsichtbar und brennend, brennt sich in meine Haut. Erreicht mich auch hier. Es gibt kein Entrinnen. Noch ein paar Sekunden durchhalten.
Bin die erste, die aus der Sauna hüpft, weil sie keine Luft mehr bekommt, das ganze Gewicht gegen die Holztür presst, damit sie endlich aufgeht. Weil ich das Gefühl hab, meine Ohren glühen und mein Gesicht fängt gleich Feuer.
Kalte Dusche. Ich bin vier oder fünf, keine Ahnung, und ich finds toll.
Und danach eingekuschelt im Bademantel auf dem Sofa, kalte Milch und frische Pulla, noch warm aus dem Ofen.  Rundum wohlfühlen. Geborgen in sich selber.

Sauna Finnland Feelings

Dann stehe ich bei meinem Onkel Markku auf der Terrasse, barfuß auf kalten leicht gefrorenen Holzbohlen, atme die kalte, frische Nachtluft tief ein, die den kommenden Winter erahnen lässt, die Haut dampft, angenehm, während die Kälte vergeblich versucht, vorzudringen zu meinem Körper. Schaue in die Finsternis, lausche den Geräuschen der Nacht und fühle mich daheim. Daheim in diesem einen Moment. Möge er nicht vorbeigehen.

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