Der Papierteufel Serlachius

Das Museum Serlachius in Mänttä

Hochklassige Kunst mitten im Wald? Wo gibt es das denn? In Mänttä. Hier werkelte, wirkte und wütete der Papierteufel. Er schuf nicht nur ein Papierimperium, auch die größte private Kunstsammlung der nordischen Länder. 

Ein Utopia im Nirgendwo

Seine Name: Gustaf Adolph Serlachius. Sein Motiv: die Liebe zur Kunst. 

Doch er wollte noch mehr: er wollte eine neue Gesellschaft, eine Art Utopia schaffen. In Mänttä fand er einen idealen Platz dafür. Direkt an den Stromschnellen gab es passende Bedingungen für den Aufbau einer Papiermühle. Und für alles andere, etwa die Tatsache, dass Mänttä damals nur auf dem Wasserweg erreichbar war, würden sich Lösungen finden.

Serlachius Museum Mänttä Finnland ©Foto: Tarja Prüss | Tarjas Blog - Reiseblog Finnland
Die Architektur spielt mit unserer Wahrnehmung

AUF NACH MÄNTTÄ

Wer das Museum mitten im Wald finden will, für den ist der  Bus das Mittel der Wahl. Gut eineinhalb Stunden Busfahrt von Tampere. Eineinhalb Stunden, die einen gefühlt immer weiter weg von der Zivilisation bringen. Ungezählte Kiefern, Birken, Föhren fliegen fast genauso schnell an uns vorbei wie die Schneeflocken. Der Busfahrer drückt aufs Gas, obwohl die Straßen schnee- und eisglatt sind. Die Häuser werden immer weniger. Irgendwann schwinden sie ganz aus dem Landschaftsbild. Niemandsland-Gefühle machen sie breit.

Schließlich stoppt der Bus und lässt mich raus. Ich bin sehr gespannt, was mich hier erwartet.

Nicht viel. Zunächst. Der Ort ist überschaubar. Um nicht zu sagen: winzig. Alles geschlossen. Zusätzlich verhindert der Schnee erfolgreich, dass man gleich bis auf den Grund der Dinge kommt. Nach der Anreise wünsche ich mir erst mal nur ein Bett. Und morgen: das Museum im Nirgendwo.

 

Das Serlachius Museum

Das Serlachius Museum beeindruckt schon von weitem. Ein moderner Holzbau mit viel Glas lädt den Besucher ein. Nach dem großzügigen Foyer führt eine Glaspassage zu den Ausstellungsräumen. Hier gibt es aktuelle, wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer Kunst. Jiri Geller etwa mit seinen Überhöhungen unserer neuen Symbole und Icons der Verständigung.

Im ehemaligen Herrenhaus werden Auszüge der umfangreichen Kunstsammlung gezeigt. Akseli Gallen-Kallela ist hier vertreten, aber auch Helene Schjerfbeck und Eero Järnefelt. Zusammengetragen von der Familie Serlachius. Allen voran Gustaf Adolph und sein Neffe Gösta.

 

2013 wurde das Museum erweitert. Die neue Architektur spielt gekonnt mit unserer Wahrnehmung. Innen und Außen sind manchmal nicht zu unterscheiden. Die Natur fließt regelrecht in das Museum hinein und die Kunst hinaus in die Natur. Ein interessantes Wechselspiel, das sich je nach Tageszeit und Wetter ändert und immer neue Aus- und Einblicke bietet.

Wie ein Kunstwerk entsteht. Eine beeindruckende Animation im Serlachius Museum Gustav.

Gustaf Adolph Serlachius war ein zielstrebiger und ehrgeiziger Mann. Phasenweise sicher auch besessen. Sein Tatendrang war enorm, sein Wille unbeugsam. Näher kommen kann man ihn im ehemaligen Hauptquartier des Papiermagnaten, das liebevoll „White House“ genannt wird. In einer audiovisuellen Ausstellung wird sein Leben erzählt. Man wandert durch die Räume wie durch sein Leben und bekommt eine Ahnung von den schwierigen Zeiten, den schier unüberwindlichen Hindernissen, neidischen Konkurrenten und der damaligen Zeit.

Mehr über diese interessante Persönlichkeit, die ganz Mänttä geprägt hat bis heute, erfahrt ihr in meinem Artikel „Der Papierteufel und das Museum im Nirgendwo“ auf nordisch.info

Doch damit nicht genug: kaum entschlüpfe ich der damaligen Zeit, steht eine schick gekleidete Frau vor mir. Kette, strenge Brille und ebenso strenger Dutt, heller Hut. Gestylt wie in den 1950-er Jahren. Schnell stellt sich heraus, dass es sich um die Chefsekretärin handelt, die die neuen Bewerber testet. Ich beuge mich den strengen Augen der Dame, aber zugleich auch ihrem Charme und durchlaufe das gründliche Verfahren. 

Und sie macht es so bezaubernd – mit einem köstlichen Hauch von Arroganz und Blasiertheit, ich zeige es euch in diesem Video, in dem sie sogar singt! Und deswegen musste es auch ein wenig länger ausfallen, weil sie einfach so großartig ist: 

Mänttä ist berühmt für Papier

Wie schon im Video angedeutet, gehört zum Bewerbungsverfahren  natürlich auch das Papier Herstellen. Die gestrenge Dame möchte sehen, wie geschickt oder ungeschickt meine Hände sind. Dazu geht es in den Keller des klassischen Gebäudes im funktionalistischen Stil.

Für den Architektenwettbewerb in den 1930-er Jahren hatte sich übrigens auch Architekt Alvar Aalto beworben. Doch den Zuschlag bekam jemand anders. Aalto störte sich angeblich, dass die WCs zu nahe am Eingang geplant sein sollten. 

Die Bewerbungsprozedur geht weiter. Die Dame prüft mich gründlich auf Herz und Nieren. Es endet schließlich damit, dass ich für eine Tätigkeit an der Schreibmaschine taugen könnte. Also eher Papier beschreiben als herstellen. …Eventuell… 

Papier selber herstellen. Hier hängen die Papiere zum Trocknen auf der Leine ©Foto: Tarja Prüss | Tarjas Blog - Reiseblog Finnland
Papier selber herstellen. Hier hängen die Papiere zum Trocknen auf der Leine

Serlachius Museum in Mänttä

Mit Dank an das Serlachius Museum für die Unterstützung dieser Reise.

Wer noch nach einem Hoteltipp sucht: wohl gefühlt habe ich mich im Arthotel Honkahovi in Mänttä. Der ehemalige Sitz des Serlachius Sohnes. Schöne Zimmer mit Blick auf den See. Und der Museumsbus fährt direkt vor der Haustür los.

Warum man sich dort sprichwörtlich königlich fühlt, das erfahrt ihr demnächst hier auf dem Blog. Daher am Besten gleich beim Newsletter „Flaschenpost“ anmelden.

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