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VIEL SPASS BEIM SICH VERLIEBEN

finnische fahneAuf meiner Lesung in Dornbirn lernte ich Raphaela kennen. Sie war kurz vor dem Abflug nach Finnland und fragte nach einigen Tipps – insbesondere, wo und wie man am besten finnisch lernt. Knapp drei Monate später kommt dieser schöne Bericht über ihre ersten Erlebnisse in Finnland.
Doch lest selbst: Raphaelas Bericht aus Finnland:

VIEL SPASS BEIM SICH VERLIEBEN

Als du bei deiner Buchpräsentation in Dornbirn „viel Spaß beim sich Verlieben“ in mein Buch geschrieben hast, wusste ich noch nicht, wie oft ich mich an diese Worte zurückerinnern werde.
Ich war noch nicht lange hier, als ich auf die Straße trat, zum Himmel blickte, bemerkte, wie sehr ich diese Farben liebe und ich mich schmunzelnd an deine Widmung erinnerte.

Schmunzeln.. Ja, das lässt du mich mit deinem Buch tatsächlich immer wieder. Manches las ich zuerst und entdeckte es erst anschließend „im echten Leben“. Anderes erlebte ich zuerst und stellte dann beim Lesen fest, dass ich mit dieser Erfahrung und Empfindung nicht alleine bin. DANKE!!

VERTRAUEN

Das ist eines der „Dinge“ die ich mir eindeutig von den Finnen abschauen werde. Anfangs empfand ich es als Nachlässigkeit wie die Pädagogen die Kinder hier betreuen und Eltern ihre Kinder erziehen. Egal ob in der Schule oder im Kindergarten. Situationen, in denen ich als Pädagogin in Österreich längst aus sicherheitstechnischen Gründen eingegriffen hätte, werden hier höchstens mit einem kaum bemerkbaren Lächeln oder einem kurzen Kommentar registriert. Und was passiert? Geschehen mehr Unfälle? Ich habe noch nichts davon erlebt. Im Gegenteil. Die Kinder sind unglaublich selbstständig und übernehmen die Verantwortung für sich selbst.

SPRACHE ALS SCHLÜSSEL ZUR WELT

Mit der Sprache ist es so eine Sache. Ich bin ja so verrückt und versuche Finnisch zu lernen. Nun bin ich aber in Kaskinen gelandet. Von den Erwachsenen sprechen einige kaum Englisch. Das wäre ein guter Grund um schnell Finnisch zu lernen. Aber du weißt es bestimmt; hier ist fast die halbe Bevölkerung schwedisch-sprachig. Manche können beide Sprachen, aber einige – vor allem Busfahrer – können nur Schwedisch. Jugendliche gibt es hier kaum. Die sind clever und studieren woanders. Manche Kinder wollen mir schwedische Worte eintrichtern und andere verstehen meine Spielideen erst wenn ich sie mit finnischen Worten beschreibe. Das erschwert mein Vorankommen etwas… Aber zum Aufgeben ist es noch im Sommer früh genug.


Ich mag die Art und Weise wie die „Sprachliche Herausforderung“ hier in der Schule und im Kindergarten gemeistert wird. Während der Vorschule sind die Kinder nach Sprachen getrennt aber dann in der Schule haben sie manche Fächer wieder sprachlich gemischt. Manche Pädagogen haben Finnisch als Erstsprache, andere Schwedisch. Alles im selben Haus. Und wie fühlt es sich an? Richtig gut. Mir gefiel Mehrsprachigkeit schon immer sehr. Leider hatte ich bisher das Gefühl, dass es immer mit großen Schwierigkeiten verbunden ist. Das ist es nämlich in Österreich vor allem für die türkischen Kinder. (Darüber könnte ich jetzt stundenlang schreiben. Warum und weshalb… Ich kam mir hier nämlich anfangs ähnlich vor wie ein Kind, das ohne ausreichend Sprachkenntnisse im Kindergarten abgegeben wurde.) Aaaaaaaber hier ist es sehr ausgeglichen.

Natürlich gibt es auch hier Dinge die nicht so gut laufen und Bemühungen das Schulsystem zu verbessern und optimaler zu gestalten. Und auch manche der Erwachsenen sind recht stolz und halten das jeweils eigene für das Beste. Wie überall… Aber das ist eine andere Geschichte.

Mir gefällt der Umgang der Lehrer mit den Kindern sehr. Jede Sprache wird wertgeschätzt. Jede Sprache hat ihren Platz. Und einige der Kinder können bereits beide Sprachen oder verstehen zumindest Anweisungen in der jeweils anderen Sprache. Für mich ist das der erste Schritt um miteinander in Kontakt zu treten und offen zu sein für das was die Welt da draußen noch alles so zu bieten hat. Ich bin unglaublich froh, dass ich den direkten Vergleich der Bildungssysteme erleben darf. Allerdings erschwert es mir gerade die Entscheidung ob ich wirklich wieder dahin zurück will wo ich herkomme oder ob das Leben nicht doch noch etwas Passenderes für mich bereithält.

UND DANN? EINFACH WIEDER ZURÜCK NACH ÖSTERREICH? VERGESSEN UND AUS UND VORBEI?

Vermutlich werden es gerade die Besonderheiten sein die mir Anfangs etwas zu schaffen machten, die mir dann in Österreich als erstes fehlen werden. Ein Stück Herz habe ich auf alle Fälle bereits hier verankert. Ich freue mich schon wieder auf meine Familie in Österreich und „auf das Leben daheim“.

Aber eines weiß ich gewiss:
Ich werde Finnland vermissen.
Sehr!!
Und so einen Abtropfschrank will ich auch mal in der Küche haben.

Es steht bereits fest:
Ich möchte auch noch andere Länder entdecken. Aber… Hierher? Noch öfters?

JA, ich komme wieder!

Alles Liebe, Raphaela


4 Kommentare zu „VIEL SPASS BEIM SICH VERLIEBEN“

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