Regisseur Hannu Salonen ©privat

Hannu Salonen – Der Regisseur von Arctic Circle

Es ist die erfolgreichste Serie aller Zeiten auf dem Streamingsdienst Elisa in Finnland: Arctic Circle – Der unsichtbare Tod. „Das war mir auch ganz wichtig, dass die Serie auf dem Heimatmarkt gut ankommt,“ sagt Regisseur Hannu Salonen im Interview. In Finnland heißt die deutsch-finnische Krimiserie „Ivalo“ – „Arctic Circle hätte nicht funktioniert in Finnland. Denn da weiß jeder, dass der Polarkreis in Rovaniemi ist“, sagt Hannu Salonen lachend.

Lappland kannte Hannu Salonen bisher aus wenigen Besuchen in der Kindheit. „Aber ich hatte ganz, ganz große Lust, mal ein Projekt in Lappland zu machen, hatte aber nicht den geeigneten Stoff. Der kam dann lustigerweise in Form des Drehbuches zu mir.“

Die Idee stammt von Olli Haikka, Petja Peltomaa und Joona tena. Die Drehbuchautoren sind Joona Tena und Jon Atli Jónassón.

Kälte am Polarkreis

Kälte ist natürlich ein großes Thema am Polarkreis. Salonen hatte die deutschen Bewerber schon beim Casting gewarnt. „Das wird furchtbar, das wird  nicht bequem. Und wir sind gut damit gefahren“, erzählt Salonen.

Minus 40 Grad hatten sie manchmal und keiner wusste, ob die Kameras, die Akkus und all das Zeug das mitmachen würde. „Kälte braucht kluge Vorbereitung. Die andere Schwierigkeit waren fehlende Straßen. Wir arbeiten mit einem ziemlich großen Fuhrpark. In Lappland hatten wir den schon auf das Nötigste reduziert. Wenn wir auf der Straße gedreht haben, mussten alle Fahrzeuge von der Bildfläche verschwinden. Aber das geht nicht einfach in Lappland. Das heißt, wir haben sie regelrecht in den Schnee eingegraben, was unglaublich aufwendig war, aber notwendig. Da mussten wir sehr gut planen.“

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Zur Person

Hannu Salonen (47) ist ein finnischer Regisseur, der seit Jahren am Bodensee lebt und schon „Tatorte“ sowie Episoden der ZDF-Reihe „Schuld“ nach Ferdinand von Schirach gedreht hat.

Überraschende Erkenntnis: Entfernungen

Dasselbe Problem stellt sich mit Schneespuren. „Manche Takes mussten gleich beim ersten Mal klappen, denn sonst wären die Schneespuren zu sehen gewesen oder man hätte die Kamera versetzen müssen.

Doch die überraschendste Erkenntnis waren die enormen Entfernungen in Lappland. „Selbst wenn man es weiß, sind die Entfernungen eine große Herausforderung.“ Mal eben 600 Kilometer überbrücken, ist nicht so einfach mit einem ganzen Tross über die schneebedeckten Landstraßen in Lappland.

Arctic Circle Szene ©Arctic Circle

Der Tod lauert um die Ecke

„Für mich persönlich war es eine großartige Zeit, aber man muss sich auskennen. Man kann da nicht einfach alleine losfahren, zum Beispiel auf dem Inarisee. Dann erwischt man vielleicht die falsche Stelle und liegt im See. Der Tod lauert in Lappland um die Ecke.“

Auch mit dem Auto kann man nicht naiv losfahren ohne Jacke. Dann kommt eine Autopanne, Wind, die Nacht, die Kälte – da ist man sehr schnell tot.“ Dieses Bewußtsein, dass es ein raues Stück Land ist, das muss mit der Zeit wachsen.

Lappland ist schön, aber auch bedrohlich. Schönheit und Bedrohung liegen nah beieinander“, sagt Regisseur Hannu Salonen.  In dieser Zauberlandschaft eine bedrohliche Stimmung zu schaffen, ist seine Aufgabe als Thrillerproduzent. Die Stimmung wird in diesem Fall durch Sounds erzeugt. Durch die Musik, zusammen mit den Bildern, entsteht bereits eine unterschwellige Gefahrenlage.

Finnische Exotik

Für die deutschen Zuschauer ist allein die lappländische Winterlandschaft sehr besonders und exotisch, aber für die Finnen?

„Die Mischung ist das Besondere. Auf für die finnischen Zuschauerinnen und Zuschauer. Einerseits der internationale Anteil, das ist neu für die Finnen, aber neu ist auch,  dass die Landschaft eine der Hauptdarstellerinnen im Film. Das ist eine neue Art, damit umzugehen. Und so gesehen ist es auch für die Finnen exotisch“, sagt Salonen, der den Film in 100 Drehtagen in Ivalo, am Eismeer und in Helsinki gedreht hat.

„Arctic Circle“ im ZDF:

Schauplatz des Zehnteilers „Arctic Circle“ ist Ivalo in finnisch Lappland. Der Thriller, in dem es um die Verbreitung eines Virus geht, hat durch das Coronavirus ungeahnte Aktualität erhalten. In den Hauptrollen: Iina Kuustonen als Polizistin Nina Kautsalo und Maximilian Brückner als Wissenschaftler Thomas Lorenz. In weiteren Rollen sind Clemens Schick, Pihla Viitala, Joi JOhannsson und Aleksandar Jovanovic zu sehen.

Eindrücke vom Dreh in Lappland: Auf dem Instagram Account von Hannu Salonen

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Der rosa Bibliotheksbus

Der Kostüm- und Maskenbus war übrigens der beliebteste Treffpunkt, verrät Hannu im Gespräch mit Tarjas Blog. Der rosa Bus war früher ein Bibliotheksbus – eine Einrichtung, wie ich sie nur aus Finnland kenne. In den kleinsten, abgelegenen Orten, die keine eigene Bibliothek haben, kommt nämlich der Bibliotheksbus. Hier kann man nicht nur Bücher ausleihen, sondern auch per Fernleihe bestellen. Finnland hat insgesamt über 800 Bibliotheken, bei rund 300 Gemeinden. Der rosa Bus war quasi das Herz der Dreharbeiten zu „Artic Circle“ – denn um den Fuhrpark möglichst klein zu halten, gab es nicht für jeden Schauspieler einen eigenen LKW als Garderobe am Set und „das war gut für die Stimmung“, sagt Hannu.

Klischees haben sich bewahrheitet

Wie ist es mit den Klischees, frage ich Hannu. Denn im Film sieht man den deutschen Schauspieler Maximilian Brückner als deutschen Virologen Thomas Lorenz in einer Karaoke-Bar, allein mit seinem Bier in der Hand an einem Tisch sitzend. Genau so, wie uns das die Klischees über finnische Männer in Lappland erzählen.
„In der Tat haben sich die Klischees sehr oft bewahrheitet“, sagt Hannu, der seit 26 Jahren schon in Deutschland lebt. „Zum Beispiel Treffen, um Sex haben zu können. Die Lappländer haben da eine andere Einstellung – Männer wie Frauen. Wenn man 400 km fährt, dann muss es auch klappen mit dem Sex!“

„Arctic Circle“ / „Ivalo“ die Folgen:

– Venla
– Murmansk
– Taudinkantajat
– Saalistaja
– Ensimmäinen uhri
– Jumalan terve
– Silmä silmästä
– Myrsky nousee
– Jäljet lumessa
– Kellari
 

„Arctic Circle“:

Die Eigenproduktion der finnischen Streaming-Plattform Elisa Viihde ist die erste deutsch-finnische Krimireihe im ZDF-Programm. Regie führte Hannu Salonen.

Das Beste an Finnland

Was ist in seinen Augen das Beste an Finnland, will ich wissen.  „Schwierige Frage. (Pause) Ich antworte lieber mit einem Teilbereich; eine Sache möchte ich hervorheben:  Bescheidenheit und Demut. Die deutschen Schauspieler waren sehr angetan von der Erdung der finnischen Schauspieler. Die sind orientiert an der Sache, am Projekt. Und das ist ein großes Plus und wahnsinnig angenehm an der Zusammenarbeit.“

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Arctic Circle vorerst nur in Deutschland

Derzeit läuft „Arctic Circle – Der unsichtbare Tod“ nur im ZDF. In der Mediathek kann man die Folgen nachschauen. Österreichische und schweizer Zuschauerinnen und Zuschauer gucken vorläufig in die Röhre.

ORF und SRF ist zu wünschen, dass sie die Serie einkaufen. 

Infos zum Film "Artic Circle"

  • Regisseur: Hannu Salonen
  • Drehbuch: Olli Haikka, Petja Peltomaa
  • Produktion: Yellow Film & TV, Bavaria Fiction
  • Drehzeit: 100 Tage(2017/2018 )
  • Budget: 6,5 Millionen Euro
  • Kamera: Mikael Gustafsson
  • Produzentin Finnland; Milla Bruneau
  • Produzent Deutschland: Moritz Polter
  • Producer: Olli Haikka, Jarkko Hentula
  • Komponist: Vladislav Delay
  • Yellow Film & TV Production in Kooperation mit Bavaria Film und Elisa Viihde

Neues Projekt in Arbeit

Hannu arbeitet derweil schon am nächsten Projekt: „Oktoberfest – 1900“. „Es geht um Blut und Bier und wird ab September 2020 in der ARD und vorher auf einem weltweiten Streamingdienst zu sehen sein. Fast ein Mafiaepos“, sagt Hannu. „Oktoberfest – 1900“ erzählt von einer Zeit, in der die wahre Macht in München von den größten Arbeitgebern ausgeht, den Brauereien – und von den Wirte-Clans, die die begehrten Schank-Lizenzen für die Bierbuden auf dem Oktoberfest innehaben. Es ist auch die Geschichte vom Konflikt der Generationen, der von verletzter Ehre, Intrigen und Standesdünkel. Eine Geschichte über die bayerische Schattenwelt.

Sein Traum vom großen Historienfilm hat sich also erfüllt….

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