liebtenwir

Liebten wir 

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Buchcover „Liebten wir“

Meine Augen wandern über die Auslage in meinem Lieblingsbuchladen. Zwei Wörter wollen meine Aufmerksamkeit. Liebten wir.

Schon der Titel zieht mich an: „Liebten wir“ – ist das die Vergangenheitsform? Oder ist „Liebten wir“ als Möglichkeitsform gemeint. Und ist das eine Aussage oder eher als Frage gemeint. Mein Interesse ist geweckt. Ich will mehr wissen. Was hat es mit dem Titel auf sich?

Nina Blazon hat ‚Liebten wir‘ geschrieben – ihr erstes und hoffentlich nicht letztes Buch für Erwachsene.  Und ich freu mich sehr, dass sie zu einem Interview bereit war! Warum sie ausgerechnet Finnland als Schauplatz ihres bewegenden, betörenden und fesselnden Buches ausgewählt, wie sich ihr Bild von Finnland verändert hat und was es mit dem ‚Phänomen im Café‘ auf sich hat, das erfahrt ihr hier…

Über Finnland & Fotografie

Als ich die Klappentext überfliege, weiß ich bereits, DAS will ich lesen. Nein, das MUSS ich lesen.

Helsinki durch die Scheibe
Helsinki durch die Scheibe

Es geht um eine Fotografin und um Finnland – genug Schlüsselwörter für mich. Wie einen Schatz trage ich das Buch nach Hause, lass alles stehen und liegen.
Und wie man nach tagelangem Durst den ersten Schluck langsam und genussvoll einsaugt, so saugt mich das Buch ein. Und ich lass mich fallen, tauche ein und versinke.


Irgendwas irritiert mich. Die Buchstaben verschwimmen mehr und mehr. Es ist dunkel geworden. Außerdem knurrt mein Magen. Widerwillig lege ich eine Zwangspause ein. Es ist wie bei einem langen Tauchgang. Ich hole Luft, atme durch, nehme einen großen Schluck und tauche wieder ein in dieses Buch.

‚Liebten wir‘ (*) hat eine eigenartige Spannung. Keine laute Action, keine rasante Abfolge von Ereignissen. Es ist eine leise Spannung, eine, die einen an die Hand nimmt und mitnimmt. Mitnimmt auf die Reise nach Finnland.

Über zwei Frauen auf Spurensuche

Es geht um zwei Frauen – auf den ersten Blick grundverschieden: Moira – genannt Mo – Fotografin aus Deutschland, jung, frech, oft gescheitert, zerrissen. Und Aino, Finnin, über 80, garstig, entschlossen, unbeugsam. Doch schnell ahnt man, da gibt es mehr. Und mit jeder Seite wachsen die zarten Fäden der Verbundenheit zwischen diesen beiden Frauen. Und mit Zeit und ganz vorsichtig wachsendem Vertrauen kommen unausgesprochene Zuneigung und Verständnis hinzu.

Klappentext:

Verstohlene Blicke, versteckte Gesten, die Abgründe hinter lächeln
den Mündern: Fotografin Mo sieht durch ihre Linse alles. Wenn sie
der Welt ohne den Filter ihrer Kamera begegnen soll, wird es 
kompliziert. Mit ihrer Schwester hat sie sich zerstritten, von 
ihrem Vater entfremdet. Umso mehr freut sich Mo auf das 
Familienfest ihres Freundes Leon. Doch das endet in einer 
Katastrophe. Mo reicht es. Gemeinsam mit Aino, Leons eigensinniger
Großmutter, flieht sie nach Finnland. Eine Reise mit vielen 
Umwegen für die beiden grundverschiedenen Frauen. Als Mo in 
Helsinki Ainos geheime Lebensgeschichte entdeckt, ist sie selbst
ein anderer Mensch.

Es ist eine Spurensuche – so wie ich mich auch vor zwei Jahren auf Spurensuche begeben habe.

Über Veränderungen, Rückblenden, Parallelen

Dabei sind die Protagonisten des Buches am Anfang nicht wirklich auf Anhieb sympathisch. Die junge Fotografin Mo ist mir zu schlacks, zu frech, zu unehrlich. Die alte zu bissig, zu verbittert, zu garstig.

Doch das ändert sich. In dem Maße, wie die beiden in „LIEBTEN WIR“(*) ihre Scheu zueinander ablegen, sich mehr und mehr vertrauen und anvertrauen, sich öffnen, wächst meine Sympathie, mein Verständnis, mein Nachvollziehen, meine Zuneigung.

Mo hat früh ihre Mutter durch einen gewaltsamen Tod verloren. Rückblende Schulzeit:

„Schließlich trage ich ein Geheimnis mit mir, etwas Schreckliches,
Unbegreifliches: Als einziges von allen Kindern hatte ich keine 
Mutter, die unsterblich ist - so wie all die anderen Mütter (…). 
Meine Geschichte bringt Gewissheit ins Wanken. Vertrautes wird 
plötzlich brüchig (…) Die Spiele, das Lachen, der Streit - all das
findet außerhalb von mir statt (…) Ich bin kein Mädchen mehr, das
ausgeschimpft und ermahnt wird, nun bin ich zu einer unberührbaren
Märchengestalt geworden." (S. 169-170)

An vielen Stellen finde ich mich selbst wieder in dem Buch. Nicht nur die Liebe zur Fotografie, zu dem Land, seiner Menschen und wie sie ticken.

Auch ich stand wie Mo allein im Kunstmuseum Ateneum in Helsinki und die Werke von Akseli Gallen-Kallela machten mich sprachlos, berührten und rührten mich zu Tränen.
Die Muminstassen, die Mo auffallen, die man in jedem Haushalt findet, neben Ittala-Geschirr und Marimekko-Servietten.

auf der Esplanade in Helsinki
auf der Esplanade in Helsinki

Auf der Esplanade verfolgt Mo durch das Objektiv einen Herzballon, der sich losgerissen hat und gen Himmel schwebt. Ich fing an derselben Stelle mit der Linse Seifenblasen ein, die dasselbe im Sinn hatten.
Nina Blazons Beschreibung des Hafens mit Markt, Kathedrale, Riesenrad, die schöne Havis Amanda…ich könnte an einer Schnur aufgehängt die passenden Fotos dafür liefern.

Über das Schweigen der Finnischen Männer

Die Schweigsamkeit der Finnischen Männer. Wunderbar eingefangen mit Worten aus Mos Mund. Laut gelacht habe ich bei diesem Dialog: Aarto und Mo treffen sich morgens in der Küche:

Schweigen.
Gewichtsverlagerung.
Schweigen.
Auf der Baustelle am Hafen startet ein Motor.
Schweigen.
In der Ferne bellt ein Hund.
Was ist das für ein Spiel? Wer zuerst spricht, hat verloren?
'Aino sagte, du arbeitest am Hafen?'
'Sometimes.'
'Mechaniker?'
Vage Pause. 'Sort of.'
Bist du in einem Zeugenschutzprogramm? (S. 278-288)

Über die Symbolkraft des Finnischen Tango

Helsinki bei Nacht
Helsinki bei Nacht

Auch der Finnische Tango kommt vor – sogar in einer zentralen Szene. Und wer die Lieder kennt, hört die Melodien, während Nina Blazon die richtigen Worte findet für die Schwermütigkeit und zugleich Symbolkraft des Finnischen Tango, seinen einzigartigen Rhythmus und sein inniges Schweben.

Aino und Mo lösen das Rätsel um Ainos Lebens- und Liebesgeschichte. Und auch Mo löst viele Knoten ihres Lebensknäuels, ihres Lebenslabyrints, in dem wir alle doch irgendwie stecken.

Über die Macht der Bilder

Es ist ein tiefgründiger Roman, ein Mut machender – mit präzise ausgearbeiteten Charakteren mit Ecken und Kanten und Widersprüchen. Mit einer teils fragmentierten, dadurch aber umso klareren Sprache.

Auch ein Roman über die Macht der Bilder. Über Vergangenheit und über Trauer. Ein Buch, das man nicht mehr aus der Hand legt. Deren letzte Seite man nicht umschlagen will, weil es dann vorbei sein wird. Weil man weiter lesen will.
Mein absoluter Lieblingssatz aus dem Buch „Liebten wir“: Manche Erinnerungen sind zu kostbar, als das man sie preisgeben darf.
Und auch das Schlechteste an diesem Buch will ich nicht verschweigen. Es endet. Auf Seite 553.

Hier das Interview mit NINA BLAZON

TARJA: Wie kamen Sie auf die Idee, Ihre Handlung in Finnland spielen zu lassen?

Nina Blazon (Quelle: privat)
Nina Blazon (Quelle: privat)

NINA BLAZON: Ganz ursprünglich hatte ich Schweden als Schauplatz für den Roman angedacht. Aber 2010 bin ich zum ersten Mal nach Finnland aufgebrochen – einfach nach Art einer Sternfahrt, aus Neugier, ohne viel Vorwissen, mit dem Wort „Helsinki“ im Ohr, das für mich einen dunklen, melancholischen Klang hatte. Ich reiste im August hin und … tja, diese Stadt ist alles andere als grau und düster! Bilder im Kopf können ein spannendes Eigenleben entwickeln, wenn man Vorstellungen wie „Kälte, Melancholie, trübe, kühle Sommer und im Winter Wodka, ewige Finsternis & Death-Metal-Konzerte“ vor Augen hat. Umso greller ist das Blitzlicht, das einen blinzeln lässt, wenn man einen Realitätscheck machen darf. Und je tiefer ich in die Geschichte der Stadt eintauchte und mich treiben ließ, desto mehr Schauplätze, „Schnittstellen“ und Stimmungen fand ich, die einfach viel besser zu den Figuren des Buches passten als Stockholm.

Haben Sie biografische Bezüge zu Finnland?

Leider nein. Meine einzigen Bezüge stammten aus Film & Literatur. Die Werke von Aki Kaurismäki haben mich als Jugendliche sehr beeindruckt. Später habe ich dann mit Begeisterung Arto Paasilinnas Romane gelesen – und kam dann schließlich zu Autoren wie der großartigen Riikka Pulkkinen.

Welche Funktion hat die Fotografie in Ihrem Roman?

Für die Hauptfigur Moira ist sie anfangs eine Art Schutzschild. Solange sie eine Kamera vor der Nase hat, wird sie vom Leben nicht überrollt, sie hält mit Hilfe der Fotografie stets eine gewisse Distanz zu Menschen und Erlebnissen ein, zieht sich in ihre Rolle als Beobachterin zurück. Gleichzeitig ist die Kamera für sie Instrument, um sich ihrer eigenen Erlebnisse zu vergewissern, Momente festzuhalten, die ihr sonst, wie sie glaubt, verloren gehen würden. Drittens ist die Kamera eine Art Lupe, um andere Menschen zu durchschauen, ihnen kleine, verräterische Momente abzujagen, die enthüllen, was z.B. wirklich zwischen zwei Personen geschieht. Fast wie ein Tatortfotograf sammelt Moira solche Beweise und entreißt Menschen manchmal damit auch ihre Geheimnisse. Aber sie setzt ihre Fotografie auch ein, um etwas zu geben: So gewinnt ein Mädchen, das misshandelt wurde und das Moira fotografiert, seine Würde zurück, die es auf den nüchternen Dokumentationsfotos der Polizei („wie ein Stück Fleisch, ohne Kopf“) zu verlieren glaubte. Mo schafft mit ihren Fotos manchmal auch neue Wirklichkeiten, spätere, bessere Erinnerungen – und sei es nur ein Moment der Fröhlichkeit in einem sonst sehr bedrückten und düsteren Kinderleben. Fotografie hat im Roman (wie im Leben) also sehr viele Funktionen: Sie schafft Beweise und Erinnerungsschätze, manchmal konstruiert sie bessere Momente und Vergangenheiten, und hier und da sind Fotos auch so etwas wie magische Gegenstände, Amulette, die Verbindungen und Nähe zu Personen zu schaffen, denen man zeitlich und räumlich nicht (mehr) nahe sein kann.

Was faszinierte Sie vorher an Finnland, was danach?

Ich muss es wohl etwas eingrenzen, denn viel weiter als bis nach Helsinki bin ich auf den Recherchereisen ja leider noch nicht gekommen (aber das ändert sich noch!). Und wie gesagt, mein „Vorher“ existierte nur als vage Vorstellung von einem sehr dunklen Land voller Schnee, Elchen und Seen und sehr stillen, ernsten Menschen, von denen die eine Hälfte in Metal-Bands spielt und die andere Hälfte schweigend und depressiv in ein Glas schaut (ja, die Klischees …). Was mich nun bei jedem Besuch von Neuem fasziniert: die Naturverbundenheit, die Lebendigkeit des Stadtlebens, der Tango, das wunderbare Design, der Umgang mit Kultur und Innovation. Die Internationalität (ein komisches Wort, aber mir fällt kein besseres ein), die von den jungen Finnen ganz selbstverständlich gelebt wird. Das Nebeneinander von Traditionellem und Neuem. Es ist sehr viel im Fluss, sehr lebendig und in vieler Hinsicht experimentell.

Wie hat sich ihr Bild von Finnland verändert?

Der Dom von Helsinki
Der Dom von Helsinki

In der ersten Begeisterung bin ich, so könnte man sagen, wohl erst einmal von der Schatten- auf die Lichtseite gewechselt. Es scheint aber wohl auch ein Trend zu sein, dass viele Deutsche Finnland als eine Art Wunderland betrachten, in dem einfach alles besser, schöner und origineller ist als „bei uns“: Bildungssystem, Politik, soziale Absicherung, Kinderfreundlichkeit, die Natur, die Technik, das Design, die Krimis, der Humor, das Leben an sich, denn schließlich hat jeder ein Wochenendhäuschen an einem malerischen See und dazu eine hippe Stadtwohnung mit Designmöbeln (stimmt’s? ☺). Fast, als wäre Finnland selbst das märchenhafte „Satumaa“, das Reijo Taipale besingt. Aber es gibt natürlich auch die ganz normale andere Seite. Von der hört man aber erst dann, wenn man mit den Menschen vor Ort in Kontakt kommt. Und da geht es dann um ganz ähnliche Probleme wie anderswo: Arbeitslosigkeit, Ärger mit dem Vermieter und der Krankenversicherung, Hausmittel, um gut durch den dunklen Winter zu kommen, ohne depressiv zu werden, steigende Preise, Mobbing am Arbeitsplatz, die Sorge wegen der politischen Entwicklungen in Russland (denn die Grenze ist hier sehr nah). Ich hoffe, ich bin auf dem Weg, das Land weder in expressionistischem Schwarz noch in Weichzeichner-Weiß zu betrachten, sondern mich um ein realistischeres (wenn auch nicht zu hart ausgeleuchtetes) Bild zu bemühen.

Viele finnische Autoren beschäftigen sich derzeit mit der Aufarbeitung des Zweiten Weltkriegs bzw. Finnischen Winterkriegs. Was brachte Sie dazu?

Die zweite Hauptfigur, Aino, ist 85 Jahre alt, das heißt, ich musste ihr eine authentische Biografie geben. Wenn sie in Helsinki geboren wurde und dort noch als junge Frau gelebt hat, dann reicht ihre Vergangenheit genau in diese Zeit. Das Material in den Museen und Archiven, und auch die Beschreibungen von Zeitzeugen waren ein reicher Fundus. Ich fand es sehr spannend, den Krieg einmal aus der Perspektive eines anderen Landes zu betrachten, denn wie viele meiner Leser wusste ich rein gar nichts von Finnlands Sonderrolle in dieser Zeit.

Beide Romanfiguren versuchen, ihre eigene Vergangenheit aufzuarbeiten. Zu Verstehen, ins Reine kommen mit sich selbst – ein Appell, nicht wegzulaufen, sondern sich zu stellen?

Zumindest dann, wenn die „Schwelbrände der Seele“ so sehr die Gegenwart bestimmen, wie es bei Moira der Fall ist. Und vielleicht zeigt ihre Geschichte auch, dass die Bilder, die wir uns im Kopf von Situationen oder zukünftigen Katastrophen machen, oft viel greller und schrecklicher sind als die Katastrophe selbst – sogar dann, wenn sie wirklich eintritt.

Was ist Ihr Lieblingssatz/Lieblingspassage in dem Buch?

„Wir bleiben so lange gefangen in unseren Echos, bis wir aufhören zu rufen.“ Ich glaube, das ist das Schwierigste überhaupt: Das Vergangene loszulassen und wirklich nach vorne zu sehen.

Ansonsten mag ich persönlich die Tangoszene mit Aarto, es hat viel Spaß gemacht, diesen Mann auf die Tanzfläche zu schreiben.

Was ist Ihrem Erleben nach der markanteste Unterschied zwischen Finnland und Deutschland, zwischen Finnen und Deutschen?

Tatsächlich der oft zitierte „Sozialcode“ der Kommunikation. Die Pausen in den Gesprächen, die in Deutschland eher unbehagliches „Oh, schnell, ich muss jetzt was sagen! Irgendwas!“ signalisieren würden. Es ist ein völlig anderer Rhythmus des „Wortwechsels“, des Zuhörens und Erzählens. Wenn man mal im finnischen Fluss ist, ist es wunderbar entspannend und bereichernd, denn man kommt wirklich dazu, über das Gesagte nachzudenken.

Was war das prägendste Erlebnis in Helsinki?

Da gab es ganz viele! Das erste Aha-Erlebnis war der Senatsplatz. Den kannte ich nur aus der legendären Filmszene aus „Night on earth“. Verschneite Winternacht, ein einsames Taxi dreht auf dem ausgestorbenen Platz Runden um das Zarendenkmal (wahrscheinlich, weil der Motor wegen der Kälte nicht ausgehen darf). Natürlich erwartete ich tagsüber im August etwas ganz anders. Überrascht war ich aber dennoch, wie sehr mich die Atmosphäre hier an eine südländische Piazza erinnerte. Knallblauer Himmel, viele Sonnenbrillen, Eistüten, viel Leben und Trubel, viel Lachen. Touristen natürlich, aber auch Liebespaare und Cliquen von Jugendlichen, die auf den Stufen saßen und Musik hörten. Das war mein erster Eindruck von der Lebendigkeit und Offenheit dieser Stadt.

Ein weiteres Anders-als-gedacht-Erlebnis hatte ich in einem Café. An mehreren Tischen saßen einige Männer beim Morgenkaffee, jeder für sich. Einer hatte Zeitungen vor sich gehortet. Die anderen starrten in ihre Tassen oder auf ihre Smartphones. Dann betritt ein „Phänomen“ das Café, eine wirklich ungewöhnlich schöne Frau, so perfekt und gestylt, dass ich bis heute sicher bin, sie war ein Model. Die Frauen im Café schauen schon mal kurz, die Männer … Fehlanzeige. Dann steuert sie auch noch auf den Zeitungsleser zu und spricht ihn direkt an. Ich dachte: Okay, jetzt hebt er gleich den Blick, bemerkt sie zum ersten Mal und dann …

Der Mann schaut eine Viertelsekunde lang mürrisch hoch, schiebt ihr wirklich ohne eine Miene zu verziehen die Zeitung zu (nach der hatte sie wohl gefragt) und versenkt sich wieder kommentarlos in seinen Artikel. Kein Lächeln, kein Nicken, kein Bitte/Danke-Smalltalk, schon gar kein Leuchten in den Augen. Auch keiner der anderen Kaffeetrinker beachtete die Schöne. Das kam mir wirklich erstaunlich und spannend vor, so ein striktes Nicht-Bemerken oder Nicht-Beachten und eine so neutrale bis knappe Kommunikation. Man stelle sich dieselbe Szene nur mal in Italien oder Frankreich vor …

Was ist Ihr nächstes Projekt?

Es geht wieder in den Norden, aber diesmal in ein Land, das weniger mit Untiefen und Wasser verbunden ist, sondern eher mit Wind. Es gibt „windfarbene“ Pferde dort und viele Geister und Geschichten, die ich gerade für ein neues Buch erforsche: Island!

NINA BLAZON, geboren 1969, lebt heute in Stuttgart. Sie ist Autor
in zahlreicher Jugend- und Fantasyromane. Ausgezeichnet mit dem
Deutschen Phantastikpreis und dem Wolfgang-Holbein-Preis.

NINA BLAZON: LIEBTEN WIR(*). Roman. Ullstein Verlag. 2015

Zur Homepage von Nina Blazon. Zum Ullstein Buchverlag.

http://www.ullsteinbuchverlage.de

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