Enontekiö Lappland im Winter bei untergehender Sonne und Schnee ©Foto: Tarja Prüss | Tarjas Blog - Reiseblog Finnland

Arktischer Rat: Abschlusserklärung scheitert am Klimastreit

Das erste Mal in der Geschichte des Ministertreffens des Arktischen Rats 1996 hat sich das Gremium ohne eine gemeinsame Abschlusserklärung getrennt – offenbar wegen Widerstands der USA gegen die Erwähnung des Klimawandels. Stattdessen gab es eine Erklärung „light“: deutlich kürzer und eher symbolisch. Meinungsverschiedenheiten beim Thema Klimawandel seien der Grund, so der scheidende finnische Aussenminister – zugleich Ratsvorsitzender – Timo Soini.

Soini wolle niemandem die Schuld geben. Eine Mehrheit betrachte Klimawandel als einen fundamentale Herausforderung für die Arktis. Zuvor war bereits aus Delegationskreisen am Tagungsort in Rovaniemi verlautet, dass sich die USA als einzige weigerten, den Klimawandel in dem Abschlussdokument zu erwähnen.

In der gemeinsamen Light-Version bekennen sich die Länder des Arktischen Rates unter anderem zur Aufrechthaltung von Frieden, Stabilität und konstruktiver Zusammenarbeit in der Polarregion. Eine übliche  „Joint Declaration“ gab es jedoch nicht.

Zugefrorene Briefkästen Enontekiö Lappland Winter ©Foto: Tarja Prüss | Tarjas Blog - Reiseblog Finnland
Frsostige Zeiten auch im Arktischen Rat

Arktische Zeiten auch in der Arktis

„Natürlich sind wir ein bisschen enttäuscht, dass die Erklärung zum ersten Mal in der Geschichte gescheitert ist“, sagt mir Martti Ruokolainen, der Sprecher des Außenministeriums für arktische Angelegenheiten, den ich vor zwei Jahren in Rovaniemi kennengelernt habe. „Wir leben in Trump-Zeiten – auch in der Arktispolitik“, sagt Martti und fügt hinzu: „und niemand weiß, wie lange diese Zeit dauern wird.“

Arktis besonders von Erwärmung betroffen

Kritik und Sorge kommt vor allem von den indigenen Bevölkerungen in den betroffenen Regionen . Sie sehen ihre Lebensweise angegriffen und sorgen sich um Ernährungssicherheit.


Rentiere in Lappland - Inari ©Foto: Tarja Prüss | Tarjas Blog - Reiseblog Finnland

Osmo & seine Rentiere

Die Winter sind anders geworden, sagt Rentierzüchter Osmo. Er, seine Familie und seine Tiere bekommen den Klimawandel in Lappland bereits deutlich zu spüren.

Das Schmelzen hat begonnen

Die arktische Region ist besonders stark von der Erderwärmung betroffen, die Durchschnittstemperaturen steigen dort mehr als doppelt so schnell wie im Rest der Welt. Das schmelzende Polareis legt dabei neue Routen für die Schifffahrt frei. Auch wegen vermuteter Öl- und Gasreserven unter dem arktischen Eis erlangt die Region zunehmend strategische Bedeutung.

Hintergründe zu den Entwicklungen und Begehrlichkeiten findest du in meinem Artikel auf nordisch.info:

Der Poker um die Arktis – oder das Rufen gegen den Wind

Zwei Jahre lang hatte Finnland nun den Vorsitz im Arktischen Rat. Am Dienstag gab es ihn an Island weiter. Dessen Aussenminister Gudlaugur Thór Thórdarson sagte, sein Land wolle auf der hervorragenden Arbeit Finnlands aufbauen. Die nachhaltige Entwicklung in der Region werde im Fokus des isländischen Vorsitzes stehen. Prioritäten seien die Meeresumwelt, das Klima, grüne Energien sowie die Völker, die in dem Gebiet lebten. Die Arktis müsse eine Region des Dialogs und der friedlichen Kooperation bleiben.

Das offizielle Statement des finnischen Vorsitzes könnt ihr hier nachlesen:

Statement by the chair

Enontekiö Lappland im Winter bei aufgehender Sonne und Schnee ©Foto: Tarja Prüss | Tarjas Blog - Reiseblog Finnland
Solche Sonnenaufgänge im Winter können wir hoffentlich noch lange bewundern

INFO: ARKTISCHER RAT

Der Arktische Rat wurde 1996 gegründet und befasst sich unter anderem mit dem Umweltschutz am Nordpol und dem Klimaschutz. Dem Gremium gehören die acht Anrainerstaaten der Arktis an, neben Finnland, den USA und Russland auch Kanada, Island, Dänemark, Schweden, Norwegen und mehrere indigene Völker. Die Ministertreffen finden alle zwei Jahre statt.


6 Kommentare zu „Arktischer Rat: Abschlusserklärung scheitert am Klimastreit“

  1. Hei Tarja,
    ich folge dir ja schon länger auf Bloglovin´ und finde deine Themen immer wieder klasse.
    Schade, dass bei diesem so wichtigen Thema nicht mehr herauszuholen war…

    Schönes Wochenende, Georg

    1. Ja, lieber Georg, da gebe ich dir Recht. Ich hätte mir auch gewünscht, dass das Ergebnis konkreter gewesen wäre. Was ja nicht heißt, dass sie es vielleicht doch noch hinkriegen. Vielleicht mit Island an der Spitze… liebe Grüße, Tarja

  2. Hallo Tarja,

    naja, wie zu erwarten war…da denkt man sich doch: Herr, wirf Hirn vom Himmel!
    Aber die glauben ja auch, dass die Finnen regelmäßig hübsch ihren Wald ausfegen 😀
    Moikka, Nina

  3. Birgit Hackspiel

    Es ist einfach nur zum Weinen, diese Trumpisierung ist wie ein Schimmelpilz, dessen Sporen sich in allen Bereichen festklebt

Kommentarfunktion geschlossen.

Scroll to Top