Koch-WM Finnland. ©Foto: ctof.fi

Pur, klar, ehrlich – die neue finnische Küche

Eigentlich könnte diese Geschichte auch in der Rubrik „Die spinnen die Finnen“ laufen. Denn die Köche, die in der finnischen Koch-Nationalmannschaft kochen, müssen kochverrückt sein. Zwei Jahre lang haben sie auf die Weltmeisterschaft hingearbeitet. „Meine Kollegen sehe ich öfter als meine Frau und meine Kinder,“ sagt Kristian Vuojärvi, Team-Manager des finnischen Nationalteams.

Umso mehr, als man beim Thema Kochen ja auch nicht gleich an Finnland denkt. Schon eher an das Land von Paul Bocuse oder an die elsässische Küche der Gebrüder Haeberlin. Aber Finnland?

Dabei haben sich die Finnen klammheimlich in die Weltelite des Kochens „hochgekocht“. Bei der Olympiade 2016 in Erfurt „erkochten“ sie Silber vor Singapur und erhielten die Goldmedaille in der Rubrik „Gemeinschaftsverpflegung“.

ELF KÖCHE

Elf Köche sollt ihr sein! Elf Köche gegen den Rest der Welt. Bei der Koch-Weltmeisterschaft während der Gastronomiemesse Expogast in Luxemburg treten Mannschaften aus 75 Ländern an. Für die Szene ist das genauso wichtig und prestigeträchtig wie für andere die Fußball-WM.

In der Hauptdisziplin gilt es, in sechs Stunden ein Drei-Gänge-Menü für 110 Personen auf den Teller zu zaubern.


Viele Köche verderben bekanntlich den Brei. Den Spruch kennt man auch in Finnland. Sicher sei es eine Herausforderung, so Gert Klötzke, der deutsche Berater des finnischen Nationalteams. Hauptidee in der Küche ist jedoch die Hierarchie. „Es ist ein Gemeinschaftswerk, aber einer muss die Fäden in der Hand behalten,“ so Klötzke. Ähnlich wie beim Fußball. Das habe eine eigene Dynamik. „Wichtig ist, dass alle auf den Punkt fit sind.“

„Wir sind motiviert und haben ein starkes Team,“ sagt Tapio Laine, der Jogi Löw der finnischen Köche.

TRAININGSLAGER

Das Trainingslager der Kochelite befindet sich im Osten Helsinkis und wirkt eher wie eine Ferienhausidylle. Eine Veranda führt in den großzügigen Speisesaal, vom geräumigen Innenhof geht es direkt in den Wald. Zum Meer sind es nur ein paar Schritte.

Koch-WM: Küche im Trainingslager in Helsinki ©Foto: Tarja Prüss | Tarjas Blog - Alles über Finnland
Die Küche im Traininslager im Osten Helsinkis.

Es ist ein junges Team und die Küche ist eher klein als groß.
Stolz stehen sie da mit ihren hohen Kochmützen. Die Küche ist leider schon geputzt. Dabei hätte ich ihnen so gerne beim Kochen über die Schulter gesehen. Hätte gern gesehen, mit wie viel Hingabe sie Teller anrichten. Wie laut es in der Küche zugeht, wie heiß es wird, wenn rund ein Dutzend Spitzenköche gemeinsam ein Menü zaubern.

Stattdessen gehen wir mit Team-Manager Kristian in den Wald. Und was wir da seltsames zum Probieren bekommen, das erfahrt in meinem Artikel auf nordisch.info

PUR, KLAR, EHRLICH

Simon Reiterer hat Koch gelernt und lebt erst seit kurzem in Finnland.
„Es ist eines der schönsten Länder der Welt. Das Puristische, das Klare, das Ehrliche. Dann natürlich Sauna, Wälder, Seen. Viel Holz, viel Natur. Das spiegelt sich auch in den Menschen wider: ehrlich, unnahbar vielleicht, aber authentisch.“
Höre ich mich selber da gerade reden?

Vor kurzem hat er einen Job in einem Fischrestaurant in Helsinki bekommen. Seine Liebe zu Finnland wurde ihm wohl schon in die Wiege gelegt, denn seine Mutter ist Finnin. Aufgewachsen in München, hat ihn die Sehnsucht nun derart erwischt, dass er ausgewandert ist in den Norden.

Hier im Traininscamp lernt er neue Kollegen kennen, auch wenn er selbst nicht zum Kochteam gehört. Ob das helle Glänzen in seinen Augen der Liebe zu Finnland oder der Liebe zum Kochen geschuldet ist, ist jedoch nicht erkennbar.

Das Pure, Klare, Ehrliche spiegelt sich jedoch auch in der Küche wieder: die Zutaten stammen aus dem Wald und dem See. Einfache Küche, aber von höchster Qualität, sagt Coach Tapio Laine.

Koeche in Helsinki auf dem Weg zur Koch-WM ©Foto: Tarja Prüss | Tarjas Blog - Resieblog Finnland

KOCH-WM

Sie alle haben ein Ziel vor Augen: die Weltmeisterschaft in Luxemburg. Und so zaubert die finnische Nationalmannschaft bei der Koch-WM in Luxemburg Zander auf drei verschiedene Arten als Vorspeise. Als Hauptgang Entenbrust mit glasierter Farce, knusprigem Kohl und anderem Gemüse und zum Dessert gibt es Johannisbeeren in drei verschiedenen Varianten.

Wie das auf dem Teller aussieht, seht ihr auf dem Instagram Account des WM-Kaders:

Erst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu. Das wusste schon Jürgen „Kobra“ Wegmann, einer der erfolgreichsten Torschützen in der Bundesliga in den 80-er Jahren. Die finnische Koch-Elf bekommt es während des Wettkampfs mit einem fast einstündigen Stromausfall in der Wettbewerbsküche zu tun. Erschwerte Bedingungen. Bitte, wie soll man da auf den Punkt kochen? Das ist wie Elf-Meter-Schießen ohne Ball.

Die Jury vergibt dennoch 92 von 100 möglichen Punkten. Doch Gold ist damit nicht mehr zu erringen. Auch, weil beim anderen Wettbewerb, Kulinarische Kunst und Gebäck, „einige wenige Fehler“ passiert sind, sagt Laine. Aber auf den Stromausfall hat das Team „extrem ruhig“ reagiert. „Es ist nach wie vor ein starkes Team.“

Es ist eben wie im Leben. Oder wie auf dem Platz: Manchmal verliert man, und manchmal gewinnen die anderen. (Otto Rehagel)

Nächstes Ziel ist die IKA/Olympiade 2020 in Stuttgart. Und damit gehe ich jetzt mal vom Platz und ziehe die letzte Karte der Fußball-Weisheiten: Ex-Bayern-Spieler Jens Jeremies:
„Das ist Schnee von morgen.“

TIPP:

Der die finnische Nationalmannschaft der Köche mal in Aktion sehen will: auf der Grünen Woche 2019 in Berlin werden sie ihr Können zeigen. Finnland präsentiert sich in einer eigenen Halle unter dem Thema „Grüße aus der Wildnis”.

Die Messe 2019 wird besonderes Augenmerk auf saubere arktische Lebensmittel aus einer sauberen Natur, auf die nachhaltige Forstwirtschaft, auf ökologische Holzerzeugnisse und auf Finnland als Erlebnis-und Naturreiseland mit hohem Erholungswert lenken. Auch die finnischen Provinzen werden sich auf dem Finnland-Messestand präsentieren. Jährlich besuchen mehr als 400.000 Besucher die Messe.

Ravintola Nokka Helsinki ©Foto: Tarja Prüss | Tarjas Blog - Reiseblog Finnland
Vorspeise im Ravintola Nokka in Helsinki

Wie sich die Profiköche auf internationale Wettbewerbe wie die Koch-WM oder die Olympiade vorbereiten, das erfährst du in meinem Artikel auf nordisch.info:

Transparenzhinweis:

Die Recherche vor Ort in Helsinki wurde freundlicherweise von MTK (Finnischer Zentralverband der landwirtschaftlichen Produzenten und Waldbesitzer) sowie der Internationalen Grünen Woche Messe Berlin unterstützt. Vielen Dank dafür!

Wer jetzt Hunger verspürt, kann sich auf dem Instagram-Account der finnischen Koch-Nationalmannschaft Appetit holen. 


4 Kommentare zu „Pur, klar, ehrlich – die neue finnische Küche“

  1. Hi Tarja! Das sind ja richtige Künstler. Da läuft einem das Wasser im Mund zusammen. Gibt es dazu eigentlich auch die Rezepte?

    Schönen Abend, Maria

    1. Liebe Maria, gute Frage! Ich glaube, da stehen die Chancen eher schlecht, dass die Starköche ihre Rezepte rausrücken würden… 🙂 liebe Grüße, tarja

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