Auf 11 Stockwerken forschen und entdecken

BibliothekSie ist einladend, sie ist futuristisch, mit Preisen überhäuft. Sie ist die größte ihrer Art in ganz Finnland. Und sie muss unheimlich schlau sein…

…, denn in ihr findet sich ungezähltes Wissen…

Die Hauptbibliothek der Universität Helsinki: Kaisa-talo

So ein bisschen wirkt es auf mich, als würde man in ein Apple-Labor eintauchen. Klare Formen, Hochglanztische, schickes Design, viel Weiß. Und trotz der vielen Menschen, die an Tischen vor ihren Laptops sitzen, in Sesseln lesenderweise lümmeln, oder ins Handy tippen, trotzdem wir uns mitten im Zentrum von Helsinki befinden, ist es still und ruhig. Durch die riesigen Glasfenster kann man zwar die Geschäfte, das Treiben, die Straßenbahn und die Autos gut sehen und beobachten, allerdings so wie einen Film ohne Ton.

bib1 (1 von 1)1,5 Millionen verschiedene Bücher und Drucksachen beherbergt die Bibliothek der Universität Helsinki, die auch Kaisa-talo, Kaisa-Haus genannt wird. Das macht über 70 Regalkilometer. Auf 26.000 Quadratmetern kann man in ihr nach Herzenslust stöbern, lesen, arbeiten, forschen und entdecken. Über 11 Stockwerke. Mit einer beeindruckenden Architektur.

Man merkt gleich: das ist kein Ort des Wissens, das ist mehr ein Traumort des Wissens: viel Licht, viel Glas, bequeme Sessel, funktionale Arbeitsplätze, die wie aus einem Apple-Studio aussehen, elliptische Öffnungen kreieren ungewöhnliche Lichtwellen. Man spürt sofort, hier soll Lernen Spaß machen, Lernen ist hier keine Pflichtübung. Und weil Lernen auf verschiedene Arten passiert, gibt es Bereiche für lautes, ruhiges und stilles Arbeiten.

Ausgezeichnetes Design

16092015

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Insgesamt 1.000 Plätze gibt es in der Bibliothek, zum Teil um die eiförmig angelegten großen Aussparungen herum, die Luft lassen zum Atmen, zum Denken und offen sind für Neues. Grenzenloses Denken ohne Schranken. Mit runden Öffnungen im Boden, die man rausziehen kann und die sich als Steckerleiste entpuppen. Rund 8.000 Personen nutzen die Denkfabrik jeden Tag. Das Mobiliar ist großteils von Designern, etwa David Rowland’s Howe, futuristische Stühle und Sessel für zukunftsweisende Erkenntnisse. Ferner verfügt die Bibliothek über Räume für Elektrizitätsallergiker und Hörgeschädigte.

Die Architekten Selina Anttinen und Vesa Oiva von Anttinen Oiva Arkkitehdit Oy hatten die Ausschreibung gewonnen. 53 Millionen Euro hat der Bau der Bibliothek gekostet – fertig gestellt wurde das Gebäude 2012. Und seitdem hat es etliche nationale und internationale Architekturpreise erhalten, darunter 2012 den Finnischen Kritiker-Preis und im selben Jahr den Kunstpreis der Kunstkommission Uusimaa.

Neue Ausblicke

bib6 (1 von 1)Außerdem: ungewöhnlicher Blick auf den Dom möglich – sogar mit einer Terrasse, auf der man im Sommer dann auch draußen arbeiten kann. Und wer nicht nur seinen Wissensdurst stillen will, der kann in dem integrierten Café eine Pause einlegen und muss die Bibliothek nicht einmal verlassen.

Der Bibliotheksausweis ist übrigens kostenfrei – wie überall in Finnland. Bildung soll für alle zugänglich sein.

Ich treffe mich mit Claudia in der Bibliothek. Sie unterrichtet Deutsch für Ausländer und schreibt gerade ihre Dissertation über Kinder und deren sprachliche Identität aus deutsch-finnischen Familien. Ein spannendes Thema, über das offenbar noch niemand geforscht hat. Knapp eine Stunde dauert das Interview in für mich ungewohnter Rolle – als Teilnehmer der Studie. Dabei geht es auch um das Thema und um das Wort Heimat. Kotimaa – das finnische Wort für Heimat – liegt mir da viel näher. Diesem Begriff fehlt der Schatten, der für mich persönlich auf dem deutschen Wort Heimat liegt. 2018 sollen die Ergebnisse veröffentlicht werden.

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INFOS:

  • Die Universität Helsinki selbst wurde 1640 gegründet
  • Architekten: Selina Anttinen und Vesa Oiva
  • Bibliothek: 2012 eröffnet
  • Baukosten: 53 Millionen Euro
  • Mehr Ansichten der Bibliothek gibt es hier. http://www.dezeen.com/2014/11/12/helsinki-university-library-anttinen-oiva-architects-finlandia-prize/
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