Turku bei Nacht. Turku by night. Finnland. © Foto: Tarja Prüss

MEIN AHA ERLEBNIS IN TURKU – oder 5 TOP SEHENSWÜRDIGKEITEN

Mit Turku verbinde ich früheste Kindheitserinnerungen. Verschwommen. Kalt und neblig und grau wars.
Vielleicht täuscht mich meine Erinnerung auch. Denn jetzt habe ich Turku ganz anders erlebt: hell und warm und charmant.
Die 5 MUST SEE – TURKU Sehenswürdigkeiten habe ich für euch rausgesucht. Zusammen mit Tine von Finnweh erkunde ich die Stadt. Und erlebe mein ganz persönliches AHA-Erlebnis.

TURKU IN ZAHLEN

  • auf 7 Hügeln errichtet – wie Rom
  • Gründung im 13. Jahrhundert
  • 9 Brücken über den Aura-Fluss
  • 6. größte Stadt Finnlands mit 185.000 Einwohnern

Turku Sehenswürdigkeiten: Dom zu Turku. Finnland. Ausschnitt aus Deckengemälde. © Foto: Tarja Prüss

Das Wahrzeichen der Stadt. Nationalheiligtum. Zugleich die einzige mittelalterliche Kathedrale Finnlands. Flößt mir immer wieder Respekt ein. Für mich ein Symbol für finnische Geschichte, die Wiege Finnlands, der Beginn von allem. Denn Turku war ja früher die Hauptstadt Finnlands. Bis 1812 – dann wurde die Hauptstadt auf Drängen der neuen, russischen Machthaber nach Helsinki verlegt.

Dom zu Turku, Finnland © Foto: Tarja PrüssEine vier bis fünf Meter hohe Mauer umschloss mal den. Heute zeigt eine Kette an, wo sie verlief. Das erfahren wir von Reiseführerin Ulla-Britt, die unsere Gehirne mit Zahlen, Daten und Fakten auf Trab hält.

1827 Großbrand in der Stadt, 1623 Hofgericht gegründet, die Architekten Carlo Bassi und Carl Ludwig Engel, der finnische Krieg 1808-1809, 1440 erste Brücke über den Fluss, 1229 Turku wird Bischofssitz. Ulla-Britts Gehirn ist wikipedia-verdächtig.

Untrennbar verbunden mit Turku ist der Vater der finnischen Sprache und Bischof von Turku Mikael Agricola. Er gilt als Begründer der finnischen Schriftsprache, schrieb das erste Buch auf finnisch und übersetzte auch die Bibel in die finnische Sprache. Bemerkenswert auch die Votiv-Schiffe: man findet sie häufig in Kirchen an der Küste. Sie sind ein Dank der Seeleute für den Schutz auf See.


Heute ist der Dom zu Turku der Hauptsitz der evangelisch-lutherischen Kirche Finnlands. Er gilt als das wertvollste baugeschichtliche Denkmal in Finnland. 700 Jahre Geschichte hat er schon auf dem Buckel.

Mit dem ältesten Fresco des Landes von Hofmaler Robert Wilhelm Ekmann und dem Sarkophag der einzigen „Königin Finnlands“: Kaarina Manuntytär oder Catharina/Karin Månsdotter, die Gemahlin des Schwedenkönigs Erik XIV.
Ihre Geschichte von der Kammerzofe zur ersten bürgerlichen Königin und vom Gefängnis bis zum zurückgezogenen Gutsleben ist so romantisch und tragisch zugleich, dass sie zum Stoff von Filmen und Büchern wurde. Der international bekannte, finnische Schriftsteller Mika Walteri hat sich von ihr zu einem Roman inspierieren lassen.

Krone_schwedische_Königin_Turku

EXTRA-TIPP: Mehr Lust auf Geschichte? Die mittelalterliche Burg Turkus (1280 erbaut), rund drei Kilometer entfernt, hat eine bewegte Vergangenheit mit kriegerischen Schlachten, Feuersbrünsten und prunkvollen Festsälen.

Turku Sehenswürdigkeiten: Am Aurajoki, Turku, Finnland. Sommer 2016 © Foto: Tarja Prüss

Nach so viel Informationen braucht mein Kopf erst mal frische Luft. Und das geht am Besten am Aurajoki (Aurafluss), der sich durch die ganze Stadt zieht. Die kreischenden Möwen hört man schon von Weitem.

Die Rantakatu ist im Sommer Treffpunkt für alle. Flanieren, Eisessen, im Gras sitzen und plaudern. Oder einfach dem vorbeiziehenden Wasser des Aurajoki zuschauen. Das pure Sommerfeeling. Fast fühlt es sich so an, als hätten alle in der Stadt Urlaub. Die Straßencafés laden zu einer Verschnaufpause ein. Der Blick verliert sich auf dem Fluss, auf dem es immer etwas zu beobachten gibt.

Sehenswert die Kunstwerke am Ufer und im Wasser, aber auch die Traditionsschiffe, allen voran das Segelschulschiff Suomen Joutsen. Der Schwan Finnlands. Der letzte Dreimaster aus dem Jahre 1887.

Hier kann man ebenso wie im Dom die Wechselwirkungen zwischen der Geschichte und dem Heute entdecken. Und ich denke mir, ja, genau da, in diesen Bezügen und Wechselwirkungen zeigt sich die Seele der Stadt.

Und wenn man keine Brücke in der Nähe ist, kann man das Ufer schnell mit der kostenlosen Föri wechseln. Das sind kleine Fähren, die ständig von einem zum anderen Ufer fahren. Da spart sich so manchen Umweg. Außerdem ist es ein Erlebnis, mit welcher Selbstverständlichkeit die Menschen hier mit und am Wasser leben und es in ihren Alltag einbauen.

EXTRATIPP: ein musikalischer Ausflug mit dem Dampfer Ukkopekka zur vorgelagerten Mini-Insel Loistokari 

Turku Sehenswürdigkeiten: Markthalle in Turku. Ausschnitt Kuchentheke. Finnland. © Foto: Tarja Prüss

Mehr Sehenswürdigkeiten warten darauf, entdeckt zu werden. Dass die alte Markthalle im Herzen Turkus schon 120 Jahre auf dem Buckel hat, sieht man ihr nicht an. 

Auf fast 120 Metern Länge konkurriert hier frischer Fisch mit allen Farben, die Obst und Gemüse hergeben, mit Käse, Fleisch und Köstlichkeiten aus aller Welt.

Die unterschiedlichsten Gerüche treibt es einen in die Nase beim Wandeln vorbei an den Ständen. Hier kann man nicht nur den berühmten „Kiss my Turku“-Kuchen probieren, sondern auch die zugleich beste Bäckerei des Landes testen.

EXTRATIPP: nicht weit entfernt ist das Restaurant Ludu (Linnankatu 17) mit extravaganter moderner finnischer Küche und stylischem Ambiente.
Mehr Food-Tipps gibts bei Tines Foodwalk durch Turku.

Denkmal Schwäne Turku, Finnland. © Foto: Tarja Prüss

Unweit des Bahnhofs, auf einer Anhöhe ganz stolz, steht am Ende der Aurakatu das Taidemuseo, das Kunstmuseum. Schon das Bauwerk im nationalromantischen Stil von Gustav Nyström ist sehenswert. Über Treppen und einen kleinen Park gelangt man zum Haupttor des Museums. Seine wertvolle Kunstsammlung muss sich vor dem Ateneum in Helsinki alles andere als verstecken.
Auch hier sieht man den wechselseitigen Einfluss von Vergangenheit und Gegenwart. Und bei so manchem Kunstwerk treibt es mir vor Begeisterung die Tränen in die Augen. Auf jeden Fall sollte man sich ein paar Stunden Zeit nehmen. Danach kann man im Café entspannen oder eine Fotosession auf den weitläufigen Treppen des Museums einlegen.

EXTRATIPP: ein kleines Café gleich um die Ecke mit selber gemachtem Kuchen.

Aurajoki mit Brücke, Turku, Finnland ©Foto: Tarja Prüss

Der Aurajoki ist nicht nur ein guter Orientierungspunkt, wenn man die Stadt erkundet, er ist irgendwie auch magischer Anziehungspunkt. So ein bisschen Venedig. Und da will man mal sein eigener Gondoliere sein.
Ohne Motorboot-Führerschein geht das ganz einfach mit Låna, ein kleines Motorboot, das sich leicht steuern lässt. Kurze Sicherheitseinweisung. Und schon gehts los. Einmal den Fluss rauf und runter. Mit frischen Erbsen und Erdbeeren. Sich von den Sonne blenden lassen. Herz, was willst du mehr.

EXTRATIPP: Danach noch am Ufer sitzen, in einem der zahlreichen Sommercafés und ein kühles Bier oder ein Lonkero schlürfen. Im Tårget etwa, die ganz offensichtlich auch nett zu Vögeln sind.

Möwen sitzen auf Café-Tisch, Turku, Finnland © Foto: Tarja Prüss Krähe sitzt auf Café-Tisch, Turku, Finnland © Foto: Tarja Prüss

Zahlen und Fakten zu Turku

  • Turku erstreckt sich über 168.773 Quadratkilometer
  • Das Klima der Hansestadt ist durch kalte Winter und warme Sommer gekennzeichnet
  • Die mittlere Jahrestemperatur beträgt 5,3 Grad Celsius. An den wärmsten Tagen im Sommer klettert das Thermometer aber schon mal über 30 Grad Celsius.
  • Weniger als 10 Prozent der Turkuer Bevölkerung spricht schwedisch
  • Turku ist zweisprachig, so findet man alle Straßennamen und öffentlichen Hinweise auf finnisch und schwedisch
  • Partnerstadt in Deutschland ist Köln

TURKU SEHENSWÜRDIGKEITEN – MEIN AHA-ERLEBNIS

Mein ganz persönliches AHA-Erlebnis: der maritime Charakter der Stadt. Man fühlt sich ein bisschen wie an der Riviera, nur entspannter und mit ganz viel Seemannstradition. Für mich eine Hansestadt mit Charme, selbstbewussten Turkuern und ganz viel Geschichte. Man bewegt sich fast immer am Wasser, zumindest ist es nie fern. Der Fluss zieht sich durch die ganze Stadt und das Meer kann man förmlich riechen.

MEIN FAZIT: „Kiss my Turku“ triffts. Ich find Turku zum Küssen!

Auch wenn die Geschichte ein bisschen anders geht. Weil Turku am südlichen Zipfel Finnlands liegt und seine Würde als Hauptstadt an Helsinki verlor, nannten manche Finnen Turku „den letzten A… von Finnland“, erzählt uns lachend Marianna. Das ist vielleicht nicht gerade nett, aber aufgrund der geographischen Lage ergab sich dieser Spruch. Ähnlich wie sich Norddeutsche über Bayern lustig machen oder Süddeutsche über Ostfriesen.

Doch die Einwohner Turkus haben Humor und können gut über sich selber lachen. Sie machten aus der Veräppelung kurzerhand ein Markenzeichen. Aus „Kiss my a..“ wurde „Kiss my Turku“.

Ein Werbeslogan für die Stadt, frei nach dem Motto: aus der Schwäche eine Stärke machen! Find ich großartig! Und Turku auch: einfach zum Küssen!

Turku bei Nacht. Collage. Finnland 2016. © Foto: Tarja Prüss

AUF MEINER PERSÖNLICHEN BUCKETLIST FÜR TURKU stehen noch:

Das Ruisrock Festival, das Sibeliusmuseum, die Insel Ruissalo, das maritime Zentrum, das Apothekenmuseum, das Handwerksmuseum … ich schätze, ich muss nochmal hin! 🙂

GUT ZU WISSEN:

  • „Turku ist die älteste Stadt Finnlands und war lange Zeit Hauptstadt des Landes. Entlang der Wasserstraßen an der Mündung des Aura-Flusses entstand ein reger Handelsplatz. Im 13. Jahrhundert wurde Turku Zentrum des Glaubens mit dem ersten Mönchskloster des Landes. Hier wurde 1640 auch die erste Universität des Landes gegründet. Durch ein Feuer wurde fast die ganze Stadt und auch die Akademie 1827 zerstört. Heimatstadt der Läufer Legende Paavo Nurmi. 2011 war Turku europäische Kulturhauptstadt.“
  • TURKU CARD Mit der Karte kann man fast alle Museen in Turku kostenlos besuchen. Außerdem bekommt man in vielen Restaurants und Läden einen Rabatt. Für 24 Stunden kostet sie 28 Euro, für 48 Stunden 36 Euro. Familien (zwei Erwachsene und drei Kinder) zahlen für 24 Stunden 56 Euro. (Zahlen von 2016) Stadtpläne, Broschüren, Antworten und Mietfahrräder gibt es bei der Touristinfo: Aurakatu 2, Turku
  •  EXTRA-TIPP: Ein Ausflug nach Naantali: mit dem Bus (vorausgesetzt, man fährt in die richtige Richtung 😉 aber das ist eine andere Geschichte – Tine und ich sind nämlich in den falschen Bus gestiegen und am falschen Ende der Stadt gelandet) braucht man nur eine halbe Stunde und man ist in der Sommerstadt Finnlands: hier ist nicht nur der Sommersitz des finnischen Präsidenten, hier ist auch die Welt der Muumins.

Transparenz Hinweis:  Zu diesem Ausflug wurden wir von Visit Turku eingeladen. Das hat jedoch keinen Einfluss auf das, was ich erlebt, gesehen, gefühlt und gespürt habe. Und gerne teile ich das mit euch!


7 Kommentare zu „MEIN AHA ERLEBNIS IN TURKU – oder 5 TOP SEHENSWÜRDIGKEITEN“

  1. Pingback: Mein Turku-Foodwalk: 6 schmackhafte Sommer-Tipps » Finnweh! Ein Finnland-Blog

  2. Pingback: Impressionen: Turku im Sommer » Finnweh! Ein Finnland-Blog

  3. Witzig- gerade gestern habe ich einen tollen Artikel über Finnland gelesen und gedacht: muss ich bald mal hin. Danke für noch mehr Eindrücke hier bei Dir.

  4. Pingback: Weihnachten und Weihnachtsbräuche in Finnland | tarjasblog.de

  5. Nach Finnland habe ich es bisher nicht geschafft, nach deinem Artikel denke ich: leider. Wie schön die Stadt ist *.* Danke für die tollen Eindrücke. Viele Grüße aus Meran

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