Frau sitzt auf Steg

Zum 4. Mal: Finnland das glücklichste Land

Finnland ist zum vierten Mal in Folge zum glücklichsten Land der Erde gewählt worden. Das geht aus dem jüngsten Weltglücksbericht (Happinessreport) hervor, der gerade veröffentlicht wurde. Wenn die Finnen vom Glücklichsein reden, dann sprechen sie von «onnelinnen» – und davon gibt es in Finnland offenbar mehr als genug. Drei Gründe, die im Corona-Jahr besonders ausschlaggebend waren, erkläre ich hier. Außerdem gibt es noch drei ultimative Glückstipps!

Deutschland verbesserte sich um gleich zehn Plätze und rutschte von Platz 17 auf Rang 7.  Dieses Mal war der Weltglücksbericht besonders spannend, weil es darum ging herauszufinden, wie sich die Corona-Pandemie auf das Glücksempfinden der Menschen ausgewirkt hat. Außerdem konnten die sonst üblichen Interviews in den einzelnen Ländern nicht persönlich durchgeführt werden.

Eishockey in Finnland: Finnische Fans im Stadion ©Foto: Tarja Prüss| tarjasblog.de
Erfolge im Eishockey sind immer ein Glücksfaktor für die Finnen ©Tarjas Blog

Das Glück wohnt in Finnland

Gibt’s nicht! Gibt’s doch! Zum vierten Mal in Folge sind die Finnen das glücklichste Volk der Erde. An sich keine Überraschung, dass Finnland laut den Umfragedaten der Gallup World Poll erneut den Spitzenplatz als glücklichstes Land der Welt einnimmt. Das nordische Land rangiert seit jeher sehr weit oben, wenn es um das gegenseitige Vertrauen geht, das dazu beigetragen hat, Leben und Lebensgrundlagen während der Pandemie zu schützen.

Zunächst einmal freue ich mich sehr, dass Finnland nun schon zum vierten Mal in Folge das glücklichste Land der Welt ist – das hebt sogleich auch meinen persönlichen Glücks-pegel 🙂 – zugleich überrascht es aber auch, da es ja durch Corona ein ganz besonderes – ein besonders schwieriges Jahr war – mit vielen Einschränkungen, die ja nicht unbedingt das Glücksempfinden steigern.

Auf Antenne Deutschland durfte ich heute im Interview die Hautpgründe erklären. Hier ein kurzer Ausschnitt daraus:


Enontekiö Lappland im Winter bei untergehender Sonne und Schnee ©Foto: Tarja Prüss | Tarjas Blog - Reiseblog Finnland
In menschenleeren Gegenden fällt Abstandhalten nicht schwer. Den Finnen sowieso nicht, sie sind seit jeher social distancing gewöhnt ©Tarjas Blog

Drei Gründe im Corona-Jahr

Es gibt sicher viele Gründe, die dazu beitragen, aber hier für dich die wichtigsten drei Gründe, die im Corona-Jahr zum Wohlbefinden beigetragen haben.

  1. Vertrauen – die Finnen haben einerseits großes Vertrauen untereinander, anderseits gibt es ein historisch gewachsenes Grundvertrauen gegenüber der Regierung – das war gerade jetzt im Jahr der Pandemie unheimlich wichtig.
    Also so nach dem Motto: Was die Regierung sagt, wird schon richtig sein.

Finnland hat ja sehr früh reagiert und gleich zu Beginn Anfang März einen harten zweimonatigen Lockdown verordnet und die Grenzen nahezu dicht gemacht. Zugute kam ihnen da sicher auch die Lage am nördlichsten Ende der EU – sie waren also weit weg von Ländern mit hohen Inzidenzen und Todesarten.

Das Vertrauen beruht auf Gegenseitigkeit. Auch der Staat vertraut darauf, dass sie Menschen den neuen Regeln folgen. So gibt es bis heute keine Maskenpflicht, sondern nur eine Empfehlung. Und das macht ja was mit den Menschen, denn es ist ein Unterschied, ob ich zu etwas gezwungen oder unter Strafandrohung genötigt bin – oder ob ich etwas freiwillig tue, weil der Sinn und Zweck nachvollziehbar ist.

Anti-Corona-Demos sucht man in Folge dessen vergeblich in Finnland. Klar gibt es auch dort Corona-Leugner, aber „Querdenker-Proteste“ wie in Deutschland spielen sich in Finnland eher im Internet ab. Und klar auch: Viele Finnen haben – wie anderswo  auch – die Maßnahmen satt. Trotzdem lassen die meisten ihren Verstand eingeschaltet.

2. Gleichberechtigung und Chancengleichheit – beides ist in Finnland traditionell stärker ausgeprägt als bei uns – das sieht man schon daran, dass die derzeitige Regierung unter Sanna Marin zum überwiegenden Teil aus jungen Frauen besteht. Mehr dazu hier auf dem Blog: Internationaler Frauentag.

Nur ein Beispiel: jedes Neugeborene erhält vom Staat eine Babybox – mit wirklich allem, was es für einen guten Start ins Leben braucht vom Strampler bis zum Schlafsack. Denn die Finnen sind überzeugt, dass jede/r  dieselben Chancen haben soll – und das zieht sich dann weiter in der Schule und später im Beruf. Auch die Sprache trägt dazu bei. Im Finnischen gibt es keine Unterscheidung zwischen „er“ und „sie“ – mehr dazu in Finnland schenkt der Welt ein Wort: HÄN.

3. Dass sie so glücklich sind, liegt schlicht in ihrer Natur – ganz wörtlich. Die Finnen verbringen unheimlich viel Zeit draußen – egal ob Sommer oder Winter. Und die Natur ist nie weit weg. Immerhin sind fast 70 Prozent der Fläche sind Wald – und dann kommen noch 188.000 Seen dazu.

Und so verbringen viele Finninnen und Finnen ihren Sommer in ihrem Ferienhaus (mökki) am See – und zelebrieren das einfache Leben: Beeren pflücken, angeln, grillen, auf den See schauen, und zum richtig Entschleunigen und Entspannen abends in die Sauna.

Rastplatz an einem See in Finnland ©Foto: Tarja Prüss
Selbst Rastplätze sehen manchmal so malerisch aus ©Tarjas Blog

Glück ist irgendwo zwischen zu viel und zu wenig.

– Finnisches Sprichwort

Was kann man von den Finnen lernen?

Glück ist ja nicht nur eine ziemlich flüchtige, sondern auch eine ziemlich komplizierte Angelegenheit – und bei den Glücksrankings spielen Offenheit, Wohlstand, wenig Korruption und Freiheit immer eine große Rolle. All das hat Finnland und die Finnen sind dessen aufgrund ihrer Geschichte vielleicht bewusster.
Schließlich sind sie erst seit 100 Jahren unabhängig und haben sich in dieser Zeit von einem armen Bauernvolk zu einem hochtechnisierten und hochgebildeten Land entwickelt.
Es gibt einen Spruch in Finnland, der sagt: Glück ist irgendwo zwischen zu viel und zu wenig. Es geht immer also auch um das Maß – und die Erwartung. Die Finnen erwarten nicht so viel und sind glücklich mit dem, was sie haben. Glück ist also letztlich auch eine Frage der Einstellung zum Leben.

Vappu in Helsinki - Frühlings- und Studentenfest mit Picknick im Kaivopuisto ©Foto: Tarja Prüss | Tarjas Blog - Reiseblog Finnland
Das Leben nehmen wie es ist ©Tarjas Blog

3 Glücksrezepte

Mein Tipp Nr. 1

Ein bisschen mehr Bescheidenheit. Angeberei ist in Finnland verpönt und so gibt es auch weniger Neid. Eine Studie hat ergeben, dass Finnen auf Instagram kaum Bilder posten, die ihren Status, ihren Reichtum zeigen, sondern vor allem; Naturaufnahmen, Sonnenuntergänge, schöne Spiegelungen im Wasser und so. Also: einfach mal zufrieden sein, mit dem, was ist.

Mein Tipp Nr. 2

Les einfach mein Buch „111 Gründe Finnland zu lieben“ – da findest du eine Menge an Glücksrezepten. Und eines davon ist sicher: in die Natur gehen – frische Luft tanken, abschalten vom Alltag, ein schöner Waldspaziergang zum Beispiel kann Wunder wirken – und reduziert zugleich ihren Stresspegel – das weiß man ja mittlerweile aus der Forschung – ohne dass man groß was dafür tun muss, Also: Einfach raus – egal wie das Wetter ist und Glück tanken!

Mein Tipp Nr. 3

Sauna – einfach schwitzen, abschalten und sein. So wie man ist. Jeder ist gleich. Die finnische Saunakultur wurde gerade erst im Dezember von der UNESCO zum immateriellen Weltkulturerbe ernannt. Sie gehört zur finnischen DNA wie Sisu, Pulla und kalsarikännit. Fünf Buchstaben für eine ganze Lebensart. 

Eisschwimmen nach der Sauna in Tampere Finnland - Menschen in Badesachen sitzen im Winter draußen ©Foto: Tarja Prüss | https://tarjasblog.de - Reisetipps für Finnland
Sauna als soziales Ereignis - und nach dem Schwitzen nach draußen ©Tarjas Blog

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1 Kommentar zu „Zum 4. Mal: Finnland das glücklichste Land“

  1. Pingback: Finnland zum vierten Mal Glücksweltmeister – Claudias Helsinki

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