Der finnische Kohlauflauf, auf Finnisch Kaalilaatikko, ist eines dieser Gerichte, die man einmal gegessen hat – und dann immer wieder kochen möchte. Er ist einfach, bodenständig und dabei unglaublich tröstlich. Ein Essen, das wärmt, satt macht und nach Zuhause schmeckt. Gerade an grauen Herbsttagen oder im langen finnischen Winter gehört Kaalilaatikko zu den Klassikern, die regelmäßig auf dem Tisch stehen.
In Finnland ist Kohl ein wichtiges Grundnahrungsmittel.
Er ist günstig, lange haltbar und wächst auch in nördlichen Regionen zuverlässig. Kein Wunder also, dass es zahlreiche traditionelle Kohlgerichte gibt – von Kohlsuppen bis zu Aufläufen. Der Kohlauflauf ist dabei eines der beliebtesten Alltagsgerichte, das sowohl in Familienküchen als auch in Kantinen serviert wird.
Dieses Rezept habe ich von meiner Mama gelernt. Wie bei vielen traditionellen finnischen Gerichten gibt es keine „offizielle“ Version. Jede Familie kocht ihren Kaalilaatikko ein bisschen anders. Manche nehmen mehr Reis, andere mehr Kohl. Manche würzen kräftig, andere sehr zurückhaltend. Die Mengenangaben sind deshalb eher Richtwerte – und das ist auch genau so gewollt. Finnische Küche funktioniert oft nach dem Prinzip: anschauen, probieren, nachjustieren.
Ein großer Vorteil dieses Gerichts: Der Kohlauflauf lässt sich wunderbar vorbereiten. Am nächsten Tag schmeckt er sogar fast noch besser, weil sich die Aromen dann richtig verbunden haben. Und: Auch Kinder mögen ihn erstaunlich gern – vermutlich, weil er mild, weich und angenehm sättigend ist.
Was macht Kaalilaatikko so typisch finnisch?
Kaalilaatikko ist ein echtes Beispiel für die finnische Alltagsküche: wenige Zutaten, keine komplizierten Techniken, dafür viel Geschmack. Traditionell besteht der Auflauf aus Weißkohl, Hackfleisch, Reis und einer einfachen Flüssigkeit aus Brühe und Milch oder Sahne. In vielen Rezepten wird außerdem ein wenig Sirup verwendet, der dem Gericht eine ganz leichte Süße verleiht – ein Geschmack, der in Finnland sehr geschätzt wird.
Serviert wird der Kohlauflauf klassischerweise mit Preiselbeeren oder Lingonbeeren. Diese Kombination aus herzhaftem Auflauf und säuerlich-fruchtiger Beilage ist typisch für die nordische Küche und sorgt für eine schöne Balance auf dem Teller
Zutaten
- 1 Weißkohl
- 2 Tassen Reis
- 1 – 2 Zwiebeln
- 500 – 700 g Rinderhack
- Olivenöl
- Pfeffer und Salz
- Gemüsebrühe
- 1 Ei
- Bisschen Milch
- Butter zum Einfetten und für den Belag
- Semmelbrösel für den Belag
Schritt-für-Schritt-Zubereitung
Zuerst wird der Weißkohl vorbereitet. Dafür die äußeren Blätter entfernen, den Strunk herausschneiden und den Kohl in feine Streifen schneiden. Je feiner der Kohl geschnitten ist, desto gleichmäßiger gart er später im Ofen.
Währenddessen den Reis in leicht gesalzenem Wasser vorkochen. Er sollte gar, aber nicht zu weich sein, da er im Ofen noch weiter gart.
In einer großen Pfanne etwas Olivenöl erhitzen. Die Zwiebeln darin glasig anschwitzen, dann das Hackfleisch hinzufügen und krümelig anbraten. Mit Salz und Pfeffer würzen.
Nun Reis, Kohl und Hackfleisch in einer großen Schüssel vermengen. Alles gut durchmischen und gegebenenfalls noch einmal abschmecken.
Eine Auflaufform großzügig mit Butter einfetten und die Kohl-Reis-Hack-Mischung hineingeben.
Aus Gemüsebrühe, Ei und einem Schuss Milch eine einfache Sauce verrühren. Diese wird gleichmäßig über den Auflauf gegossen und sorgt dafür, dass alles saftig bleibt.
Zum Schluss die Oberfläche mit Semmelbröseln bestreuen und kleine Butterflocken darauf verteilen. Das ergibt später die typisch knusprige Kruste.
Den Auflauf bei 200 Grad Ober-/Unterhitze etwa eine Stunde im Ofen garen.
Sollte es zwischendurch zu trocken aussehen, kann man etwas Brühe nachgießen. Wenn die Kruste langsam schön braun wird, ist der Auflauf fertig.
Hyvää ruokahalua – Guten Appetit!
Tipps aus der finnischen Küche
Sollte der Auflauf während des Backens zu trocken wirken, einfach etwas Brühe nachgießen.
Wenn die Oberfläche zu schnell bräunt, kann man den Auflauf locker mit Alufolie abdecken.
Der Kohlauflauf schmeckt aufgewärmt am nächsten Tag besonders gut.
Variationen und Abwandlungen
In Finnland gibt es unzählige Varianten von Kaalilaatikko:
Mit Sirup: Ein bis zwei Esslöffel heller Sirup in der Sauce sorgen für eine leichte karamellige Note.
Vegetarisch: Hackfleisch einfach durch Pilze, Sojahack oder Linsen ersetzen.
Mit Sahne: Wer es besonders cremig mag, ersetzt einen Teil der Brühe durch Sahne.
Ohne Reis: Manche Familien verwenden statt Reis Gerstengraupen – ebenfalls sehr typisch finnisch.
Wie wird finnischer Kohlauflauf serviert?
Traditionell kommt ein Klecks Preiselbeerkompott oder Lingonbeeren auf den Teller. Dazu passt ein einfacher grüner Salat oder eingelegte Gurken. In Finnland wird Kaalilaatikko oft ganz schlicht gegessen – ohne viel Schnickschnack, dafür mit Genuss.
Der finnische Kohlauflauf ist kein spektakuläres Gericht, aber genau darin liegt seine Stärke. Er ist ehrlich, unkompliziert und sättigend – ein echtes Wohlfühlessen aus dem Norden.
Hyvää ruokahalua – Guten Appetit!
Kaalilaatikko und die nordische Esskultur
Der finnische Kohlauflauf ist ein gutes Beispiel dafür, wie nordische Küche grundsätzlich funktioniert. Sie ist keine Küche der schnellen Effekte oder aufwendigen Inszenierungen, sondern eine Küche der Anpassung an Natur, Klima und Jahreszeiten. In Ländern wie Finnland, Schweden oder Norwegen waren Lebensmittel lange Zeit knapp, Transportwege schwierig und Winter sehr lang. Gegessen wurde, was verfügbar, haltbar und nahrhaft war.
Gemüse wie Kohl, Wurzelgemüse, Zwiebeln und Getreide spielten deshalb traditionell eine zentrale Rolle. Sie ließen sich gut lagern, fermentieren oder einkochen. Fleisch war zwar wichtig, wurde aber sparsam eingesetzt – oft eher als Geschmacksträger denn als Hauptdarsteller. Genau das spiegelt sich im Kaalilaatikko wider: viel Kohl, etwas Hackfleisch, Reis als sättigende Grundlage.
Typisch für die nordische Küche ist außerdem die Kombination aus herzhaft und leicht süßlich. In Finnland werden viele herzhafte Gerichte mit einem Hauch Süße abgeschmeckt – etwa durch Sirup, Zucker oder Beeren. Auch die klassische Beilage aus Preiselbeeren folgt diesem Prinzip: Die Säure und Süße der Beeren balanciert das Fett und die Würze des Hauptgerichts aus.
Ein weiteres Merkmal nordischer Esskultur ist die Schlichtheit. Gewürzt wird zurückhaltend, oft nur mit Salz, Pfeffer und vielleicht etwas Muskat. Der Eigengeschmack der Zutaten steht im Vordergrund. Das Essen soll nähren, wärmen und zufrieden machen – nicht beeindrucken.
Kaalilaatikko ist damit mehr als nur ein Rezept. Er steht für eine Esskultur, die eng mit Naturverbundenheit, Pragmatismus und Alltagsnähe verknüpft ist. Ein Gericht, das Generationen begleitet hat und bis heute selbstverständlich auf finnischen Speiseplänen steht.
Was dieser Kohlauflauf für mich bedeutet
Für mich ist Kaalilaatikko mehr als nur ein Rezept. Er gehört zu den Gerichten, die sofort Bilder hervorrufen: die Küche meiner Kindheit, beschlagene Fensterscheiben im Herbst, draußen graues Wetter, drinnen Wärme. Meine Mutter stand am Herd, der Kohl wurde geschnitten, der Reis gekocht – nichts Besonderes, und doch etwas sehr Verlässliches. Genau so, wie dieser Auflauf auch schmeckt.
In Finnland wird Essen oft nicht groß erklärt oder zelebriert. Es ist einfach da. Es begleitet den Alltag, die Jahreszeiten, die langen Winter. Kaalilaatikko war nie ein „Sonntagsessen“, sondern ein Gericht, das man kochte, wenn es draußen kalt war, wenn viele satt werden sollten, wenn es unkompliziert sein musste. Vielleicht liegt gerade darin seine Kraft.
Heute koche ich diesen Kohlauflauf selbst – manchmal ganz klassisch, manchmal leicht abgewandelt. Und jedes Mal merke ich, wie sehr Essen Erinnerungen tragen kann. Der Geruch von gegartem Kohl und Butter, die knusprige Oberfläche, der erste Löffel: All das verbindet mich sofort mit Finnland, auch wenn ich gerade ganz woanders bin.
Solche Gerichte erzählen viel über ein Land. Über seine Mentalität, seine Geschichte, seinen Umgang mit Ressourcen. Kaalilaatikko ist für mich ein kleines Stück Finnland auf dem Teller – unspektakulär, ehrlich, tröstlich. Genau deshalb passt er so gut zu dem, was ich an Finnland liebe.
Finnische Küche
Häufige Fragen
Traditionell wird Weißkohl verwendet. Er ist mild, saftig und wird beim Garen angenehm weich. Spitzkohl funktioniert ebenfalls gut und ist etwas zarter, verändert den Geschmack aber leicht.
Nein. In diesem Rezept wird der Kohl roh verarbeitet und gart vollständig im Ofen. Dadurch behält er mehr Eigengeschmack und Textur. Wer ihn sehr weich mag, kann ihn vorab kurz andünsten – notwendig ist das aber nicht.
In Finnland wird häufig Rinderhack oder eine Mischung aus Rind und Schwein verwendet. Rinderhack ist etwas kräftiger und passt gut zum Kohl. Vegetarische Alternativen sind problemlos möglich.
Ja, sehr gut sogar. Kaalilaatikko lässt sich komplett am Vortag zubereiten und im Kühlschrank aufbewahren. Am nächsten Tag einfach wieder aufwärmen – viele finden, dass er dann sogar noch besser schmeckt.
Der Kohlauflauf eignet sich gut zum Einfrieren. Am besten portionsweise einfrieren und langsam im Ofen oder in der Pfanne wieder erwärmen.
Preiselbeeren sind eine klassische Beilage in der finnischen Küche. Ihre Säure und leichte Süße bilden einen bewussten Kontrast zu herzhaften Gerichten wie Kohlauflauf, Fleischbällchen oder Braten.
Ja. Hackfleisch kann durch Pilze, Linsen oder pflanzliches Hack ersetzt werden. Auch ohne Fleisch bleibt der Auflauf sättigend und aromatisch.
Ja. Hackfleisch kann durch Pilze, Linsen oder pflanzliches Hack ersetzt werden. Auch ohne Fleisch bleibt der Auflauf sättigend und aromatisch.
Nein. Es ist ein typisches Alltagsgericht. Gerade das macht ihn so beliebt: Er ist unkompliziert, preiswert und familientauglich.
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