FInnlines Schiff in Travemünde © Tarja Prüss

Slow Travel: auf dem Schiff

​Travemünde: Hafenterminal. Dunkelheit ist aufgezogen. Lampen und Scheinwerfer erhellen das Hafenareal. Wo Land endet und Meer beginnt, ist in der Nacht nicht mehr auszumachen. Geschäftiges Treiben. LKWs fahren im Sekundentakt von der Fähre runter, andere rauf. Von oben und aus der Ferne ein Gewusel wie ein Matchbox-Guckkasten.

Finnlines Hafenterminal Travemünde - Beladen des Schiffes © Tarja Prüss

Innerhalb weniger Stunden wird die gesamte Ladung des Finnlines-Schiffes gelöscht, geputzt, die Kühlschränke gefüllt und wieder hunderte LKW aufgeladen.
Es läuft wie am Schnürchen. 4 Kilometer lang wäre die Ladung, wenn man alle Container-Trailer hintereinander aufstellen würde.

Dann kommen die anderen Fahrzeuge dran. Zentimeter-Arbeit für die Einweiser. Platz ist kostbar. Routiniert lotsen sie die Autos über Rampen bis in die letzten Winkel der Docks. Alles wird gut festgezurrt, damit auch bei einem eventuellen Sturm hier auf den unteren Decks alles ruhig bleibt. Selbst Motorrad- und Radfahrer kommen auf die Fähre.

Aber der Knaller ist eine eigene Bushaltestelle auf der Fähre. Wir Fußpassagiere, wie man uns jetzt nennt, werden nämlich mit einem Bus zur Fähre gebracht, da man das gesamte Hafengelände aus Sicherheitsgründen nicht zu Fuß durchqueren darf.

Finnlines Einweiser © Tarja Prüss

Mit dem Schiff auf der Ostsee

Und da gibt es doch tatsächlich eine Haltestelle. Kaum sind wir ausgestiegen, wendet der Reisebus mal eben schnell auf dem Deck und fährt die Rampe wieder runter.


Das Einchecken an der Rezeption geht schnell und schwupp haben wir unsere Kabinen bezogen. Großzügige Kabinen mit eigenem Bad mit Dusche und WC. Aber das Tollste ist das große Fenster nach draußen. Mich hält es jedoch nicht in der Kabine, ich muss über die Korridore schlendern, jedes Deck einzeln erkunden, jede Tür nach draußen aufstoßen.

Finnlines - Trailer aufladen. © Tarja Prüss

Unterhalb des Sonnendecks werden weitere Trailer aufgeladen. Waren für den finnischen Markt. Die Fahrer sind müde und verziehen sich gleich auf ihre Zimmer. Wenn sie denn überhaupt mitfahren. Die meisten Trailer werden ohne Fahrer transportiert. Effizienz lässt grüßen.

Erinnerungen an die Kindheit

Fähre fahren ist mir seit Kindertagen vertraut. Die Großeltern besuchen – das war gleichbedeutend mit einer langen Reise mit VW und Schiff und Schiff und VW. Zusammen mit Bruder und Schwester über die Gänge rennen, der Aufregung Raum geben, das Spielzimmer suchen. Große Augen, wenn es mit unzähligen Kugeln bestückt war, in die man einfach so eintauchen und verschwinden konnte. Schuhe aus vorher. Ja, Mama.

Die vielen bunten Spielautomaten in Reih und Glied auf den Gängen. Die schweren Eisentüren, die zu den Autodecks führten, die man auf keinen, ja auf GAR KEINEN FALL öffnen durfte.

Ganz außer Atem endlich wieder an der Kabine angelangt, die man nach vielen Fehlschlägen auf den falschen Decks endlich wieder gefunden hatte.

Durst, Mama.

Finnlines Schiff - langer Gang ©Foto: Tarja Prüss | Tarjas Blog - Reiseblog Finnland

Skandinavisches Buffet. „Und ihr benehmt euch!“ – Der Satz klingelt noch in meinen Ohren, als wäre es gestern gewesen. Das war eine sündteure Angelegenheit damals. Alle Köstlichkeiten aus dem Meer gab es dort. Salate, Gemüse, Aufläufe, Fleisch. Und was aßen wir Kinder? Nudeln und Fürst-Pückler-Eis.

Bei einem fürchterlichen Sturm auf der Ostsee wurde einmal nahezu die hundertprozentige Quote an Seekranken erreicht. Ein LKW kippte um und drückte gleich ein paar Autos platt. Unseres war zum Glück nicht darunter. Passiert ist außer Blechschaden nichts, aber das Abladen des Blechschrotts war eine Sensation.

Endstation Erinnerung.

Heute kann das übrigens nicht mehr passieren: LKW und Autos kommen auf getrennte Decks, außerdem sind sie speziell gegen ein mögliches Umkippen gesichert.

Den sicheren Hafen verlassen wir nachts um 3 Uhr, als ich schon schlafe.

Finnlines Hafenterminal Travemünde © Tarja Prüss

Slow travel: Reisen mit dem Schiff

Umso schöner, in aller Herrgottsfrühe aufzuwachen und als erstes das offene Meer zu sehen. Wir schippern gemächlich dahin. Himmel und Wasser wetteifern um das schönere Blau an diesem Morgen.

Keinen festen Boden unter den Füßen. Was für ein angenehmes Gefühl. Sich einfach dem Rhythmus des Schiffes anpassen.

Und ich freu mich, denn am sogenannten Seetag habe ich nichts wichtigeres vor als zu schauen!

Finnlines Fenster zum Meer © Tarja Prüss

FORTSETZUNG

Morgen geht es weiter mit:

Blick aufs Meer

Unter anderem mit einem Besuch beim Kapitän auf der Brücke, warum Schiffe immer weiblich sind und so manches Seemannsgarn …

Transparenzhinweis: Die Reise fand mit Unterstützung von Finnlines und Visit Finland statt. Meine Erlebnisse, Erfahrungen und Gefühle bleiben jedoch meine ganz eigenen und die teile ich gerne mit euch!“

Keinen festen Boden unter den Füßen. Sich dem Rhythmus des Schiffes anpassen.

Und ein Schiff ist immer eine „sie“

Reisen, Neues entdecken. Sich auf Abenteuer einlassen.

Ewigkeit und Vergänglichkeit

Meine Bücher

Tarja Prüss: 111 Orte in Helsinki die man gesehen haben muss. Mit Fotografien von Juha Metso. Emons Verlag. Cover

111 Orte in Helsinki

Buchcover: 111 Gründe Finnland zu lieben. Eine Liebeserklärung an das schönste Land der Welt, Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf Berlin 2016.

111 Gründe Finnland zu lieben

Cover Niemals Finnland

Demnächst: Niemals Finnland


9 Kommentare zu „Slow Travel: auf dem Schiff“

  1. Danke für die Schilderungen Deiner Eindrücke – da werden auch bei mir sehr ähnliche – und intensive – Kindheitserinnerungen wach !
    Unsere ersten Urlaube in Suomi wurden auch in einem (dunkelgrünen) VW (Käfer) unternommen.
    Bis heute hat das Flair eines Fährhafens etwas Besonderes und Vertrautes für mich.
    Und vor allem auch die Geräusche und Gerüche an Bord: Das metallische Scheppern der Rampen, das Quietschen von Reifen auf den Decks. Natürlich auch die schweren Türen zu den Parkdecks und die engen Treppen; das Erforschen des Schiffes als Kinder und die Versuchung, gerade die abgesperrten Bereiche betreten zu wollen. Das Brummen und Vibrieren der Masschinen ist eine meiner heimeligsten Erinnerungen. Zum Einschlafen kann ich mir kaum was schöneres vorstellen – zusammen mit den gedämpften Schritten, dem Gemurmel und Türenklappen vor der Kabinentür… 🙂

    1. Ja genau! So gehts mir auch. Und in den unteren Decks bzw in der Nähe der Autodecks roch es immer irgendwie nach Schmieröl und Schwefel und heißem Gummi… 🙂 Für mich hat es auch sowas Vertrautes und Geborgenes. Liebe Dank für deinen schönen Kommentar. Das befeuert nun im Gegenzug meine Kindheitserinnerungen noch einmal. Kiitos! 🙂 tarja

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