Finnland Fettnäpfchenführer. Cover ©Conbook Verlag

Rezension: Fettnäpfchenführer Finnland

Beißt der Fisch nicht, spart man sich den Wurm. Wohl wahr. Und nichts gibt es gratis außer den Nordwind. Noch wahrer.
Der Untertitel des Fettnäpfchenführers Finnland aus der Serie des Conbook Verlags lässt schon ahnen, in welche Richtung es geht.

Reise durch die Fettnäpfchen

Im Fettnäpfchenführer des Conbook Verlags, der Kultur Reiseführer aus zahlreichen Ländern im Programm hat, kommt die junge Studentin Greta das erste Mal nach Finnland und staunt Bauklötze, was alles anders ist als in Deutschland.

Alles ist neu, alles ist scheinbar anders. Greta kommt aus dem Staunen bis zum Ende des Buches nicht mehr heraus. Sie lernt viel über das finnische Alltagsleben von Schuhe ausziehen bis Sauna. Als Studentin bezieht sich ihre Welt vor allem auf Wohnheim, Uni, Ausflüge, Parties. Die Lebenswelt einer jungen Studentin eben. Man erfährt vieles über die finnischen Besonderheiten. Stichwort Roggenbrot, Lakritz, Alkoladen, aber auch Mittsommer und Mökki. Unterbrochen wird der Text immer wieder durch kurze, informative Erklärungen zu Elch, Sisu oder anderen wichtigen finnischen Eigenheiten.

Finnland Fettnäpfchenführer. Cover ©Conbook Verlag
©Connbook Verlag

Mit der Finnjet

Gudrun Söffker reist viel um die Welt, erfährt der Leser im Klappentext des Buches. Schon oft war sie demnach auch in Finnland. Das erste Mal sogar mit der legendären Finnjet, die es ja leider nicht mehr gibt.

Nach einer langen Irrfahrt über beinahe alle Meere mit etlichen Besitzer- und Namenswechseln strandete das 215 Meter lange Schiff schließlich vor Indien und wurde abgewrackt. Eine Rettungsaktion von „Pro Finnjet“ in Turku scheiterte 2008 endgültig.


Ich hatte die Gelegenheit, Gudrun Söffker ein paar Fragen zu stellen.

Tarja: Wir kamen Sie auf die Idee, dieses Buch zu schreiben?

Gudrun Söffker: Das hat sich durch verschiedene Vorträge ergeben und natürlich auch durch meine Tätigkeit als Studienreiseleiterin. Wenn ich mit Gruppen im Norden unterwegs bin, ist das immer sehr inspirierend. Mir lange bekannte Orte den Menschen zeigen zu dürfen, die noch nie dort waren, ruft jedes Mal neue Fragen hervor und zeigt andere Blickwinkel. Aus all diesen Erfahrungen heraus war es eigentlich nur natürlich, das ganze mal in Buchform zu bringen – ein Freund hat mich schließlich auf den Conbook-Verlag aufmerksam gemacht, und dann sind wir uns ganz schnell einig geworden.

Tarja: Was hat sie am meisten an Finnland/den Finnen (im allgemeinen) fasziniert, erstaunt, verwundert?

Gudrun Söffker: Fasziniert bin ich nach wie vor von der Ruhe, nicht nur der Landschaft, sondern auch der Menschen. Die Verbundheit mit den anderen durch stilles Einverständnis, ein hohes Maß an Toleranz und Respekt zu zeigen, ohne dabei abweisend und distanziert zu sein, habe ich nirgendwo anders so erlebt. Ein Ort, an dem das besonders deutlich wird, sind für mich die kleinen Cafés und Tankstellen abseits der großen Städte. Dort könnte ich stundenlang sitzen und die Menschen beobachten, die kommen, gehen, ihren Kaffee trinken und Neuigkeiten austauschen. Noch viel intensiver findet das allerdings in den Wanderhütten statt. Da war ich überrascht, wie kommunikativ, offen und herzlich das Miteinander generell ist.

Gudrun Söffker (c) privat
Gudrun Söffker © privat
 

Tarja: Jetzt haben Sie den Fettnäpfchenführer komplett überarbeitet. Wie muss man sich das vorstellen – was wurde überarbeitet und warum?

Gudrun Söffker: Erst einmal war die Entscheidung gefallen, das Buch neben anderen der Fettnäpfchen-Reihe in neuem Gewand herauszubringen. Und wenn man sich schon um die Äußerlichkeiten kümmert, macht es natürlich Sinn, auch an der Innengestaltung zu feilen. Ein paar Aspekte, die zuvor nur nebenei Erwähnung gefunden hatten, konnte ich damit ausführlicher thematisieren. Und, um an ihre erste Frage anzuschließen – durch neue Reisen und Begegnungen, entstehen ja immer neue Einsichten. Einerseits ist so ein Buch schon eine persönliche Sache, da es ja meinen Blick auf Finnland darstellt. Andererseits wäre es kaum interessant, wenn es sich nur auf subjektive Erlebnisse reduzieren würde. Um beides möglichst spannend und informativ zu ergänzen, sind stets Veränderungen möglich, nicht zuletzt auch bei veränderten politischen Situationen in Finnland und darüber hinaus. Auch die haben Eingang in die Überarbeitung gefunden.

Tarja: Mit was/welcher Handlung/welchem Satz tritt man am ehesten in ein Fettnäpfchen in Finnland?

Gudrun Söffker: Das kommt sicher darauf an, wer mit wem spricht. Für die verschiedenen Generationen und Regionen kann man das nicht verallgemeinern. Manche reagieren empfindlich auf die Sonderbeziehung zur UdSSR damals und die Nähe zu Russland allgemein, andere fühlen sich in die Enge getrieben, wenn man nach den Misserfolgen von Nokia und den Skilangläufern fragt. Generell ist es sicher keine gute Idee, Finnland und die Finnen einfach aufgrund ihrer nördlichen Lage und weltpolitisch geringen Bedeutung als Vasallen irgendeines anderen Landes darzustellen. Denn allein schon aufgrund der Sprache, die nur mit wenigen anderen verwandt ist, gibt es ein starkes Identitätsbewusstsein. Die politischen Verhältnisse haben dazu beigetragen

 
Gudrun Söffker (c) privat
Gudrun Söffker © privat

Tarja: Sind sie weiterhin oft in Finnland anzutreffen? Welches ist ihr Lieblingsort und warum?

Gudrun Söffker: Oh ja, oft, sowohl beruflich als auch privat. Meine langjährigste Freundin wohnt in der Nähe von Tampere, das ist seit fast 30 Jahren mein Fixpunkt in Finnland. Beruflich bin ich viel in Helsinki, aber auch regelmäßig bei den Opernfestspielen in Savonlinna, das gehört zum Sommer einfach dazu.

Und jedesmal, wenn ich über die weiten Höhen im Norden streifen darf, egal ob zu Fuß oder auf Ski, ist das unglaublich entspannend. Ich mag die Birkenwälder, aber auch die steinigen, kargen Höhen. Ja, und nicht zu vergessen Kuopio! Erinnert sich noch jemand an Ari-Pekka Nikkola, den Skispinger der 80er und 90er Jahre? Auch ohne ihn sind die Sprungschanze und Skistadion am Puijo immer einen Spaziergang wert.

Fettnäpfchen vermeiden

Das Buch mit 253 Seiten ist leicht und amüsant zu lesen. Es macht Spaß, in die Lebenswelt einer jungen Studentin einzutauchen. Viel Wissenswertes erfährt man in den Infokästen.

Ein Blick auf den Klappentext des Fettnäpfchenführers verrät, dass die Autorin wohl in den 1990-er Jahren in Helsinki war und sich ihre Erfahrungen möglicherweise aus dieser Zeit speisen. Aber es gibt ja auch Dinge, die sich im Laufe der Zeit nicht ändern oder nicht so gravierend ändern.

Als Einstieg in die finnische Welt eignet sich das Buch in jedem Fall für jeden, der noch nie in Finnland war und mal rein schnuppern möchte in das Leben im hohen Norden. Immer im Bewusstsein, dass sich auch in Finnland in den vergangenen 25 Jahren viel getan hat. Vermutlich sogar mehr als zuweilen hierzulande. Gewiss wird man aber das ein oder andere bisher unbekannte Fettnäpfchen anschließend getrost auslassen.

Der »Fettnäpfchenführer Finnland« ist Teil des Relaunchs der beliebten Kulturknigge-Reihe. 2019 legt der CONBOOK Verlag alle bisherigen Ausgaben mit neuen Covern und erweiterten Inhalten neu auf. Die Neuausgabe des »Fettnäpfchenführers Finnland« erscheint als gebundenes Flexcover und ist für € 12,95 [D] im Buchhandel erhältlich.

Transparenzhinweis:

Mit Dank an den Conbook Verlag, der mir das Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.


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