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Weihnachten in Finnland

Der Nordnerds Adventskalender 2018

Zusammen mit allen Nordnerds bringen wir euch Weihnachten näher und versüßen euch die Zeit mit dem Nordnerds-Adventskalender. Jeden Tag ein neues Türchen mit vielen Überraschungen und Neuigkeiten aus dem Norden. Heute Türchen Nummer 11.

Nordnerds Adventskalender

Der Schnee knirscht laut unter den Schuhen, die Luft ist klirrend kalt und die Sonne zeigt sich kaum noch. Alle sind dick eingepackt mit Mützen, Schals und Handschuhen. An den Fenstern und vor den Türen brennen Kerzen, manchmal sieht man auch Feuerschalen an den Wegen, die von der Straße weg und vermutlich weiter hinten im Wald zu einem Haus führen. Es ist dunkel in Finnland. Adventszeit. Alle bereiten sich auf Weihnachten vor.

Inhaltsverzeichnis:

1. Weihnachtsmann - Joulupukki

Weihnachten ohne Weihnachtsmann ist kein Weihnachten. Und die Heimat des Weihnachtsmannes ist Finnland. Genauer gesagt Korvatunturi. In der Nähe von Rovaniemi, der Hauptstadt Lapplands. Da wohnt er zusammen mit seiner Weihnachtsfrau und unzähligen Weihnachtswichteln.

Leicht zu erkennen an seinem langen weißen Bart und dem roten Mantel. Und leicht zu unterscheiden von den vielen Doppelgängern, die tragen nämlich meist einen breiten schwarzen Gürtel über ihrem roten Mantel und lachen laut „hohoho“.

Wenn der Weihnachtsmann kommt, fragt er immer: ”Gibt es brave Kinder hier?“ Dabei lacht er leise in seinen Bart, denn natürlich kennt er alle braven und auch die nicht so braven Kinder.

Erst vor wenigen Tagen bekam ich überraschende Post von einer Leserin:

„Vielen Dank Frau Prüss für das tolle Buch 111 Gründe Finnland zu lieben. Ich habe heute eine Postkarte an den Weihnachtsmann abgeschickt und fliege nächstes Jahr selbst dorthin, um mir ein eigenes Bild zu machen. Frohe Vorweihnachtliche Zeit.

Eben nicht nur Kinder, auch Erwachsene aus aller Welt schicken ihre Wunschzettel an den echten und einzigen Joulupukki. Rund eine halbe Millionen Briefe landet jedes Jahr in seinem Briefkasten.
Besuchen kann man ihn das ganze Jahr über, mit Ausnahme von Heilig Abend, da ist er ja unterwegs, um die Kinder in der ganzen Welt zu beschenken. Das erste Mal habe ich ihn mal im September besucht, wenn er noch nicht so viel um die Ohren hat. Was ich da erlebt habe, könnt ihr hier nachlesen oder auch hören:

In ganz alter Zeit gab es in Finnland Nuuttipukki. Er war in Ziegenbockleder (pukki) gekleidet, ging lärmend von Haus zu Haus und ähnelte dem Krampus. Nuuttipukki war nicht immer nett. Manchmal verteilte er Geschenke, manchmal erschreckte er aber auch die Kinder oder strafte sie. Als der Weihnachtsmann dann nach Finnland kam, blieb ein Teil des alten Namens erhalten. Deshalb wird er heute Joulupukki (wörtlich Weihnachtsbock) genannt.

2. Weihnachtswichtel - Tonttus

Wesentliches Kennzeichen: eine rote Zipfelmütze, an deren Spitze manchmal ein Glöckchen hängt. Und Filzschühchen mit leicht nach oben gebogener Spitze. Die Weihnachtswichtel sind die Helfer des Weihnachtsmannes. Sie sind kleiner als der Weihnachtsmann und die Weihnachtsfrau und beherrschen die Kunst, unbemerkt zu kommen und zu gehen. Dass es sie gibt, erkennt man meist nur an klitzekleinen Fußspuren im Schnee. Sie helfen dem Weihnachtsmann bei den Vorbereitungen, damit niemand das falsche Geschenk erhält oder gar leer ausgeht.

Finnischer Tonttu©Tarja Pruess-1

Dazu passt eines der – wie ich finde – schönsten Kinder-Weihnachtslieder: Tonttujen Jouluyö – Die Weihnachtsnacht der Weihnachtswichtel. Das enzückendste Video dazu fand ich auf Youtube. Zudem erinnert es mich sehr an meine eigene Kindheit.

Wir auf der Eckbank – wie die Orgelpfeifen. Nicht nur wir, auch die Nachbarskinder wurden kurz mal ‚eingefinnischt‘, alle mit der roten Zipfelmütze auf dem Kopf. Einige sogar mit einem kleinen Glöckchen an der Spitze, das leise bimmelte und eine spannende Zeit vorhersagte.

Da saßen wir nun ganz ungeduldig, mit rot gefrorenen Bäckchen und klammen Fingern, noch ein wenig außer Atem vom Spielen draußen. Da draußen – damals – als das erste Geschenk schon vor Weihnachten kam: der erste Schnee.

Und der Duft aus dem Backofen in der Küche kurbelte unseren Hunger an. Nach Wärme, Advent und Kerzenschein roch es. In Zucker und Zimt getauchte S-förmige Kekse. Wir sangen ähnlich schön wie die Kinder in dem Video. Auch wenn wir ab der zweiten Strophe nicht mehr so ganz textsicher waren, spätestens beim Refrain stimmten alle wieder mit ein: tip-tap, tip-tap, tippe tippe tip-tap – tip – tip – tap.

3. Klein-Weihnachten - Pikkujoulu

Pikkujoulu wird schon ab November gefeiert. Als ob sich die Vorfreude sonst nicht aushalten liesse. Vereine, Betriebe, Schulen, Freunde – alle treffen sich zur Weihnachtsfeier. In den Schulen wird meist am letzten Schultag ein Weihnachtsstück aufgeführt. Darin widerfährt dem Weihnachtsmann kurz vor knapp ein großes Missgeschick. Er verliert die Geschenke, die Rentiere oder auch das Gedächtnis. Aber in letzter Minute helfen ihm Weihnachtsfrau oder auch die pfiffigen Wichtel aus der Patsche.

Selbstgemachter Adventskalender ©Foto: Tarja Prüss | Tarjas Blog - Reiseblog Finnland

4. Tiernapojat

Tiernapojat sind die finnische Variante der Sternsinger und die sind zwar in ganz Finnland, aber in einer Stadt besonders aktiv: Oulu. In der Heimatstadt meiner Mama wird seit 1933 die beste Tiernapojat-Gruppe gewählt. Der zweitägige Wettbewerb findet jedes Jahr Ende November statt. Tierna kommt vom schwedischen stjärnä (Stern) und pojat bedeutet Jungs. Die erste Erwähnung der Tiernapojat findet sich 1873 in der Oulun Wiikko-Sanomat. Heute kennt jedes Kind in Finnland (und anderswo 🙂 die Melodie des Stücks, das Tiernapojat jedes Jahr von Neuem zum Besten geben.

Abwechselnd singen Herodes (König der Juden), der König der Mohren (murjaanien kuningas), knihti (Knecht) und Mänkki (Sternträger). Verewigt sind sie auf dem Tiernatori in Oulu, wo bis Weihnachten zahlreiche Veranstaltungen stattfinden, darunter auch das Licht-Festival. Impressionen und Videos dazu findest du in Valoa Oulu.

Milla Korja hat dieses Video vom jährlich wiederkehrenden Wettbewerb im Zentrum von Oulu veröffentlicht.

5. Himmeli

Himmeli Foto: Tarja Prüss / Tarjas Blog

Himmeli kommt tatsächlich vom Wort Himmel. Ein filigranes Mobile, aus Strohhalmen gebastelt, das sich lautlos unter der Zimmerdecke dreht. Ein klassischer Weihnachtsschmuck in Finnland, der früher schon im Herbst gebastelt wurde und bis in Frühjahr hinein im Wohnraum hing. Erfordert allerdings einiges an fingerfertiger Geschicklichkeit. Schöne Himmeli Exemplare – auch zum Nachbasteln – findest du auf hier auf Pinterest.

6. Weihnachtsfrieden - Joulurauha

Turku ist die einzige Stadt, in der seit dem Mittelalter beinahe ohne Unterbrechung der Weihnachtsfrieden verkündet wird. Dazu versammeln sich die Einwohner von Turku auf dem Alten Markt, ganz in der Nähe des Doms. Um Punkt 12 Uhr verkündet dann das Stadtoberhaupt auf dem Balkon des Brinkkala-Hauses am Alten Markt den Weihnachtsfrieden für das ganze Land.

Das wird ebenso wie die Abreise des Weihnachtsmanns live im Fernsehen übertragen.

Hyvää Joulua © Tarja Prüss

7. Weihnachtsessen - Jouluateria

„Wenn nur wieder Weihnacht wäre, dann könnte man auch in der Nacht essen“. Diese alte Redensart beschreibt nicht nur Weihnachten, sondern auch das damalige Leben, in dem der Tisch häufig nicht üppig bestückt war. Diesen räumte man aber zu Weihnachten ausnhamsweise abends nicht ab, sodass man auch nachts noch ein kleines, aufkommendes Hüngerlein besänftigen konnte.

Der König der Weihnachtstafel ist der Weihnachtsschinken mit einer knusprigen Senfkruste. Rund 600.000 Schinken werden da jedes Jahr verputzt, kaum einer von ihnen bringt weniger als zehn Kilogramm auf die Waage.

Dazu gehören verschiedene Aufläufe aus Steckrüben und Möhren. Und das wird in derartigen Mengen produziert, dass man an den folgenden Weihnachtstagen nicht mehr kochen muss.

Weihnachtsrezepte findest du hier.

8. Eislicht - Jäälyhty

Eislichter machen besonders schönes Licht. Dafür wird einfach ein Eimer mit Wasser gefüllt. Dann einfach bei ordentlichem Frost draußen aufstellen. Das Wasser gefriert bis auf die Mitte. Der flüssige Rest der Mitte wird ausgeschüttet, das Eis aus dem Eimer befreit und in die Vertiefung eine Kerze gestellt. Eislichter machen sich im Schnee besonders schön.

In Sotkamo stellen die Einwohner jedes Jahr über 1.000 Eislichter an die Straßen und zaubern so ein märchenhaft schönes Winterbild in die dunkle Zeit.

Eislicht Eiskerzen ©Foto: Tarja Prüss | Tarjas Blog - Reiseblog Finnland
Eislichter in Inari Lappland

9. Weihnachtstage

Nach dem Festmahl am Heiligabend kann dann endlich die Bescherung kommen. Natürlich darf der geschmückte Weihnachtsbaum nicht fehlen. Doch nicht immer ist der Weihnachtsmann pünktlich. Er bringt ja die Geschenke. Gerade für die kleinen Menschen ist das Warten auf ihn dann noch einmal eine ganz besondere Geduldsprobe. Überbrücken lässt sich die Wartezeit am Besten mit dem Singen von Weihnachtsliedern. Egal in welcher Sprache.

Viele Finnen beschenken zu Weihnachten auch gerne die Tiere. Sie stellen Kleie und Meisenknödel für die kleinen hungrigen Vögel bereit, die nicht in den Süden gezogen sind.



Die Finnen sind allerdings nicht unbedingt die fleißigsten Kirchgänger der Welt – außer in der Weihnachtszeit. Eine relativ neue Tradition ist die Veranstaltung ”Die schönsten Weihnachtslieder”, bei der in der Adventszeit in der Kirche gemeinsam Weihnachtslieder gesungen werden. Diese Tradition gibt es mittlerweile auch hierzulande, z.B. Joululauluja mit der Österreichisch-Finnischen Gesellschaft Vorarlberg.

Der eigentliche Weihnachtsgottesdienst findet am ersten Weihnachtstag statt. Dann sind die Kirchen voll, genauso wie in Deutschland an Heiligabend. Ansonsten verbringt man den Tag im Kreise seiner Familie und verdaut in erster Linie das Weihnachtsessen.


Der zweite Weihnachtsfeiertag, der Tapani-Tag, ist in der christlichen Kirche dem Heiligen Stephan (auf finnisch Tapani) gewidmet. Viele gehen dann zum ”Tapani-Tanz”, um Tango zu tanzen und mit Freunden zu feiern.

Geschmückter Weihnachtsbaum ©Foto: Tarja Prüss | tarjas blog - reiseblog finnland

10. Sauna

Natürlich darf an Weihnachten die Sauna nicht fehlen.

Sauna ist für viele eine Art „heiliger Ort“. An Weihnachten ganz besonders. In alter Zeit glaubte man, dass die verstorbenen Familienangehörigen zum Baden in die Weihnachtssauna kommen. Deswegen musste man sich sorgfältig auf dieses besondere Ereignis vorbereiten.

Traditionellerweise geht man heutzutage vor dem Essen und der Bescherung schwitzen. Der Schinken gart ja von allein im Ofen. Und die Aufläufe sind auch schnell  warm gemacht. Und um die Geschenke muss man sich auch nicht sorgen. Die bringt ja der Joulupukki!

Savu Sauna am Ylläsjärvi - aufgenommen in Lappland Finnland © Foto: Tarja Prüss
Savu Sauna am Ylläsjärvi

Hyvää Joulua - fröhliche Weihnachten!

Taucht ein in die Adventszeit und versüsst euch die Vorfreude mit dem Adventskalender der nordverrückten #Nordnerds: Hier die Übersicht über alle 24 Türchen des #NordnerdsAdventskalender:

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